Gleich mit den ersten spektakulären Synthesizer-Tönen und Piano-Akkorden zeigt diese Platte unmißverständlich, wo es langgeht: hinein ins pure Live-Vergnügen. Dabei spielen Atmosphäre und Direktheit des Hörerlebnisses eine zentrale Rolle. Während etwa der kraftvolle Opener "Miami 2017" vor Zehntausenden im großen Madison Square Garden aufgenommen wurde, klingen balladeske Songs wie "She's Got A Way" oder "You're My Home" so, als ob man mit Joel und Begleitern nebenan im Club säße. Aufgenommen während der US-Tour 1980, versammelt SONGS FROM THE ATTIC (1981) insgesamt 11 ältere Joel-Kompositionen aus den Jahren 1971-1976, die im Vergleich mit den Original-Studiocuts allesamt enorm an Substanz gewinnen. Das beeindruckendste Beispiel ist der von frenetischer Zuhörerschaft im Stadium angepeitschte "Captain Jack," eine Hymne über einen endlos pubertierenden Anti-Helden, der sich mit Flucht in Phantasien und Drogenkonsum der Wirklichkeit New Yorks und dem eigenen Reifungsprozeß verschließt. Weitere Highlights sind das ebenfalls vom Publikum angetriebene "Say Goodbye to Hollywood," das verspielte Western-/Selbtportrait "The Ballad of Billy the Kid," sowie (als Rausschmeißer) das klassisch anmutende "I've Loved These Days" mit wehmütigem Sopransaxophon und melancholischem Klavier. SONGS FROM THE ATTIC verzichtet auf die üblichen Live-Mätzchen, wie dümmliche Reden oder geistlose Witze. Stattdessen präsentiert dieses intime Album den 'Piano Man' Billy Joel und seine Stammband auf dem Gipfel ihrer Kunst, mit fast unglaublicher Energie und unüberhörbarem Spaß beim Musizieren - sehr zur Freude des Publikums in den häuslichen Arenen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)