Derek Trucks ist einer der begabtesten Gitarristen unter der Sonne. Punkt. Das ist einfach so. Ich hätte kürzlich beim Clapton-Konzert nicht übel Lust gehabt, mir ein Schild zu malen, auf dem steht: DT is god! Ich verfolge die Gitarre des einstigen "Gitarren-Wunderkindes" schon seit dem Debutalbum, auf dem noch einige Jazzstandards zum besten gegeben wurden, und im Gegensatz zu anderen Wunderkindern wie Johnny Lang oder Kenny Wayne Sheppard hat Derek Trucks einen unverkennbaren warmen Klang (einfach nur die Gibson SG in den Fender Amp - minimalistischer geht´s nicht mehr), einen eigenwilligen Spielstil mit hohem Wiedererkennungswert und vor allem virtuose Slide-Fähigkeiten entwickelt. Es gibt keinen anderen Gitarristen, der mir derart oft Gänsehaut-Schauer verpasst. Die Songlines CD, die die erste Studio-Scheibe mit dem hervorragenden Sänger Mike Mattison ist, beinhaltet neben Blues und jazzigen Songs auch abermals Worldmusic-beeinflusste Lieder wie Mahjoun oder das zehnminüte Instrumental Sahib Teri Bandi, welches allein schon das Geld wert ist. Aus einem alten Gospelsong wie I wish I knew...wird ein zeitgenössischer, Lebensfreude-ausstrahlender Song, der am Ende vor Energie zu bersten droht. Ein Motown-beeinflusster Song wie All I do mutiert zu einem Jam mit absolut abgefahrenen Soli. Natürlich ist mit dem kurzen "Revolution" auch der erste potentielle Radiohit dabei, aber das sei ihnen verziehen. Hört man sich alle DTB-Alben nacheinander an, so ist ein deutlicher Reifungsprozess und Zuwachs an Songwriting-Fähigkeiten unüberhörbar. Songlines gehört zu den "un-langweiligsten" CDs in meinem Regal. Wer sich nicht nur auditiv, sondern auch visuell von der Derek Trucks Band überzeugen möchte, sollte sich um die kürzlich erschienene Songlines Live-DVD bemühen. Und im Februar folgt endlich eine ausgedehnte UK-Tour, auf der ich auf jeden Fall zugegen sein werde!