Auf satten 450 Seiten zusammengefaßt, erschien 2002, anläßlich des 30. Bühnenjubiläums von Juliane Werding, diese nahezu perfekte Text-Sammlung in Buchform unter dem angenehm schlichten Titel "Songbuch / Lieder 1971 - 2001".
Die Einschränkung "nahezu" begründet sich in einer Reihe von anscheinend zumindest teilweise vorsätzlichen Unterlassung, die unverständlich und auch vollkommen unnötig sind. Zur Perfektion fehlen dem Buch nur ungefähre 50 Seiten, was es letztlich weder in der Handhabung noch im Preis unattraktiver hätte geraten lassen, inhaltlich dann aber Vollständigkeitsanspruch hätte stellen lassen können und Detailliebe bewiesen hätte.
Im Buch findet man, chronologisch rückläufig, alle Liedtexte vom damals aktuellen Album "Es gibt kein zurück" bis zum Album "Traumland" des Jahres 1980. Die Alben der 70er Jahre wurden leider nur teilweise (36 Texte) mit ins Buch aufgenommen. Die Auswahl erfolgte anhand der enthaltenen Stücke einer damals verfügbaren 3-CD-Box mit Titeln jener frühen Jahre. Unverständlich! Was sprach dagegen jene sechs regulären Alben von 1972-1978 hier auch vollständig mit aufzuführen und zu drucken? Es wären 61 Texte gewesen, 25 fehlen also?!
Und warum fehlt in der Rückschau ebenfalls das Best-of "Stationen" aus 1989 auf dem damals exklusiv als neues Lied und Single-Auskopplung "Wie weit ist Eden" zu finden war? (die beiden neuen Lieder des '76er Best of sind ja auch enthalten). Letztlich fehlen so, ein paar wenige Non-Album-Singles gab es ja auch noch, zirka dreißig Texte - ärgerlich!
Zu den Texten der Alben "Es gibt kein zurück" (2001), "Land der langsamen Zeit" (1997) und "Alles okay?!" (1995) schrieb Juliane Werding ergänzend noch sehr lesenswerte Kommentare, die einem den einen oder anderen Text noch näher bringen oder aus anderem Blickwinkel sehen lassen. Warum alledings das Album "Sie" (1998) ausgelassen wurde und unkommentiert blieb, so wie auch sämtliche Alben vor 1995, bleibt fraglich und wirkt inkonsequent.
Im Hardcover-Einband und mit gut zwei Dutzend ganzseitigen Fotos durchzogen, sowie zusätzlich den jeweiligen Cover-Motiven der Alben als eine Art Kapitel-Überschrift, ist die optische Gestaltung absolut gelungen und hochwertig.
Trotz der Kritik, ein wirklich schönes Buch, was dazu animiert die Texte losgelöst von der Musik nur als Gedicht zu lesen. Einmal mehr wird deutlich, daß diese Frau bestimmt sehr vieles ist, aber ganz sicher keine "Schlagersängerin".