Trudi Canavans neuester Roman "Sonea - Die Heilerin" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.
Der Roman, in dem die Autorin die drei Handlungsstränge um Soneas Sohn Lorkin, Botschafter Dannyl und den Dieb Cery wieder aufnimmt, leidet, wie schon der erste Band der Trilogie, darunter, dass es Frau Canavan auch dieses Mal nicht gelingt, die Handlung zu straffen. Es geschieht im Großen und Ganzen zu wenig, um den Leser über die 576 Seiten, die die gebundene Ausgabe umfasst, durchweg fesseln zu können. Dass die Autorin die Romanhandlung nicht vorantreibt, wäre noch zu verschmerzen, wenn die Charaktere, von deren Schicksal und Befinden der Roman erzählt, nicht so lieblos geschildert wären. Auch die zahllosen Romanzen der Haupt- und Nebenfiguren, die sich am besten mit "Irrungen, Wirrungen" umschreiben lassen, bleiben zu blass, um wirkliches Interesse zu wecken.
Lorkin, dessen Eltern Sonea und Akkarin in der Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier", die Frau Canavans Ruhm begründete, als kraftvoll-energische Persönlichkeiten beschrieben wurden, scheint nicht nach seinen Eltern geraten zu sein. Auch im zweiten Band der Sonea-Trilogie bleibt er blass, ein schwacher skrupulöser Gutmensch, der sich, Tyvaras zuliebe und um die Handlungen seines Vaters wiedergutzumachen, bedingungslos der Willkür der "Verräterinnen" unterwirft. Dafür offenbaren diese ihm schließlich ein wohlgehütetes Geheimnis und erteilen ihm einen wichtigen Auftrag ...
Ein wenig interessanter gestaltet sich die Handlung um Botschafter Dannyl, Ashaki Achati und den überraschend zum Botschafter Elynes ernannten Tayend, Dannyls Freund. Die Autorin schildert Land und Leute, die die drei Männer auf ihrer Reise durch Sachaka kennen lernen, farbenfroh und lebendig. Auch sind die drei etwas plastischer geschildert als Lorkin und Tyvara. Der Autorin gelingt es die zwischen den drei Männern bestehende knisternde Spannung authentisch zu schildern. So, als ob sie deren Schicksal weit mehr berühren würde, als das Lorkins. Davon abgesehen passiert nicht viel mehr, als dass es Botschafter Dannyl gelingt einen neuen Verbündeten zu gewinnen ...
Während die Handlungsstränge um Lorkin und Dannyl vor sich hin plätschern, ist der dritte Handlungsstrang durchweg spannend, teils anrührend, lesenswert und auch für den Fortgang der Romanhandlung von großer Bedeutung. Der Leser erfährt viel Neues über Cery und dessen Tochter, einen mörderischen Konkurrenzkampf in der Diebesgilde, den verheerenden und immer weiter zunehmenden Einfluss der immer skrupelloser werdenden Feuelhändler und einen unter Verwendung von schwarzer Magie begangenen geheimnisvollen Mord. Sonea, um deren Gunst sich ein alter Verehrer bewirbt, gewinnt etwas von ihrer Energie zurück; sie agiert statt sich weiter vom Schicksal treiben zu lassen.
Es ist schade, dass die Autorin so viel Zeit und Raum auf die uninspirierte Schilderung von zahllosen Romanzen verschwendet hat, statt der Handlung kraftvoll Fortgang zu geben. Und das, obwohl sie noch immer, was die Geschichte um Cery und dessen Tochter zeigt, Spannendes zu erzählen weiß.
Nach allem ist der Roman nicht katastrophal schlecht, aber er sticht auch nicht aus der Vielzahl der Fantasy Romane, die jedes Jahr neu erscheinen, positiv hervor. Es handelt sich um ein Durchschnittswerk, das für Trudi Canavans Fans sicher ein Muss ist, sich auch für die empfiehlt, die eine einmal begonnene Trilogie auch bis zum Ende lesen zu wollen, allen anderen bietet sich eine Menge unterhaltsamerer Fantasy Literatur.