Es ist sicherlich nicht sonderlich originell, eine Platte, die vom Fonoforum ausgezeichnet wurde, durch weiteres Lob in den Himmel zu heben: Aber diese hier hat es wirklich verdient. Ich hatte diese außerordentlich schöne Musik nur noch in blasser Erinnerung; durch das atemberaubend unorthodoxe Spiel Zimmermanns aber haben sich mir vor allem die Sonaten Nr 3 (E-Dur) und 4 (C-Moll) auf Dauer als ein prägendes Bacherlebnis "eingebrannt".
Die vorliegende Interpretation zeigt zunächst, dass die Musik nur mit Klavierbegleitung wirklich wirkt. Der vom Pianisten gestaltete Satz geht musikalisch weit über eine Begleitung hinaus und steht gerade in den schnelleren zweiten Sätzen völlig gleichberechtigt neben dem Melodieinstrument. Das "Cembalo-Gezirpe" (pardon my french) kann dem niemals gerecht werden.
Herrlich unorthodox gestaltet auch Zimmermann den Violinpart, vor allem nämlich mit viel sinnlichem Vibrato und melodiösem Schmelz, ohne dass die eigentlichen Errungenschaften der historischen Intepretationsschule (Dynamik, Präzision der Artikulation usw.) hier verraten würden. Vor allem dies macht die vorliegende Platte zu einem außerordentlichen Erlebnis.
In der E-Dur und C-Moll-Sonate zeigt sich schließlich die ganze Größe Bachs: Tiefste Gefühle und höchste Verdichtung der musikalischen Gestaltungsmittel führen diese Musik auf eine singuläre Höhe. Für mich war lange Zeit die H-Moll-Flötensonate der Gipfel der Duosonaten. Sie muss sich diesen Platz jetzt mit diesen beiden Werken teilen.
Meine volle Empfehlung!