Der zweitälteste Bach-Sohn, als "Originalgenie" zu Lebzeiten bekannter als sein Vater, war ein großer Experimentator auf dem Klavier, das sich sozusagen unter seinen spielenden Händen ständig weiter entwickelte. Viel von dieser Experimentierfreude, auch von der ständig beschworenen Leidenschaft, den starken Affekten, die C.P.E.s Musik ganz charakteristisch machen, ist in dieser überaus gelungenen Aufnahme zu hören. Christopher Hinterhuber ist ein junger österreichischer Pianist, der hoffentlich "in der Welt von sich reden machen" wird, wie Mozart angeblich über Beethoven gesagt haben soll - beide Komponisten waren, wie auch Haydn, stark von Bach junior beeinflusst, auch wenn diese Einflüsse Beethovens oft aufgewühlter, drängender Klaviermusik deutlicher anzumerken sind. Wer also Haydn-Sonaten und den ganz frühen Beethoven schätzt, darf hier interessantes "Neuland" erobern - in einer auch technisch gelungenen, klar und voll klingenden Einspielung, die m.E. sogar Pletnevs etwas eisige DG-Aufnahme mit anderen C.P.E.-Bach-Werken aussticht. Schön, dass wir beide haben!