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Gidon Kremer wird solcher "Erfolg" mit dieser Aufnahme wohl nicht beschieden sein. Es sollte und wird ihn sicherlich nicht sonderlich grämen. Denn was er vorgelegt hat, ist der Ausdruck seines höchst individuellen, "spielmännischen" Vermächtnisses, und das braucht den Jubel der Massen nicht.
Ausdruck seiner individuellen Auffassung - genau dies ist ihm bei dieser Aufnahme zum Vorwurf gemacht worden, über die schon viel Kluges und auch Dummes gesagt worden ist. Natürlich ist "Schönklang" um seiner selbst willen nicht Kremers Ding, war es auch nie. Dabei muss letztlich die hinreißende Differenziertheit seiner Herangehensweise jeden überzeugen, der für Bachs Musik für Soloinstrumente ein offenes Ohr behalten hat. Stets trifft er den rechten Ton der Tanzsätze, das swingt so recht, wo es angebracht erscheint. Klarer als jeder/m anderen gelingt ihm die differenzierte Präsentation der Mehrstimmigkeit, die Verwirklichung barocker Klangrede als Weg und als Ziel - Musik als Klangrede nannte Harnoncourt diese Kunst, die Bach zur Vollendung führt. In vielem fühlte ich mich beim Hören dieser Aufnahme erinnert an die zweite Einspielung, die Pieter Wispelwey von den Bachschen Cellosuiten vorgelegt hat. Vielleicht scheinen die Cellosuiten es uns einfacher zu machen, weil ihre moderne Rezeptionsgeschichte im Prinzip erst mit Casals begann. Kraft, Lebendigkeit, Reichtum, die ganze Palette der in diesen Solomusiken enthaltenen vielen Facetten und Möglichkeiten zu zeigen, das zeichnet diesen Interpretationsstil und Kremers Aufnahme aus.
Was sollen wir von Rezensenten halten, die ihm dies zum Vorwurf machen?
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