Tharaud ist sicher ein fulminanter Pianist. Deswegen ist es kein Wunder,wenn sein neues Scarlatti-Album gleich zur Kenntnis genommen wird. Ich lese:"Dabei kommt sein sehr feiner Anschlag den zerbrechlichen Strukturen entgegen: Mitunter wirken die ein-bis sechsminütigen Miniaturen wie eine Art Kolibrimusik, die schwerelos durch die Luft flattert" bei NDR-Kultur oder:"so hat man auch hier den Eindruck, das Klavier sei seiner Erdenschwere ganz enthoben. Die Klänge scheinen nichts mehr mit dem massiven Instrument zu tun zu haben, aus dem sie kommen. Sie schwirren, flirren und sprudeln geradezu schwerelos einher. Die Leichtigkeit und Grazilität, die Tharaud diesen Sonaten entlockt, ist schlichtweg bezaubernd."bei Klassikinfo.
Ich lese,nachdem ich die Aufnahme gehört hatte, die Videobeiträge gesehen hatte, und bin verwundert. Darf ich meinen eigenen Ohren trauen? Liegt es an meiner Anlage, meinen Kopfhörern? Reicht eine Stax-Qualität?
Ich höre ein vergleichweise harten Anschlag. Wenn ich zum Vergleich an Pogorelich oder Zacharias denke, kommen mir die Stücke gar nicht elegant gespielt vor, sondern fast metallisch hart. Virtuos sicher. Man höre einmal Kk 141 im Vergleich. Ich denke da weniger an einen Kolibri, sondern eher an Stravinskij, das Klavier als Schlaginstrument. Kk 141 ist kein Einzelfall. In Kk 3 und bei anderen Sonaten findet man ähnliches.
Mir gefällt hier Tharaud also weniger. Die Schnelligkeit kann nicht das Entscheidende sein. Das konnte schon George Malcolm vor Jahrzehnten mit seinem Cembalo ( damals eine Kultaufnahme), sondern die Qualität des Anschlags.
Die überzeugt mich hier weniger. Aber ich wies darauf hin, das wird auch ganz anders gehört.