Pogorelich polarisiert, dennoch oder gerade deswegen zählt er ohne Frage zu besten Pianisten unserer Zeit. Wie kaum ein anderer steht er für eine unglaubliche Bandbreite. Pogorelich beherrscht das sanfte Spiel, verliert dabei aber nicht die Struktur eines Werkes zugunsten einer überbordenden Melancholie, wie auch das kraftvoll, aggressive Moment. Wenn er in die Tasten greift, scheinen Finger und Klaviatur zu einer Einheit zu verschmelzen, wobei sich Adjektive wie energisch, gewaltig, explosiv entladend, aufdrängen. Wie sein Spiel Klassikfreunde spalten kann, so trennt es in dieser Einspielung unter Lautsprechern die Spreu vom Weizen. Es sind zum einen die dynamischen Sprünge, die viele Boxen nur hinterher hecheln lassen und ganz nebenbei oft auch Gehäuseklang schonungslos entlarven. Zum anderen die Interpretation; hervorragenden Schallwandlern gelingt der Spagat zwischen dynamischer Attacke und einer in sich schlüssigen, verwobenen Wiedergabe des Gesamten. Ein intensives Musikerlebnis. knut isberner