Liest man sich Zusammenfassungen dieses Films im Internet durch, könnte man auf die Idee kommen, hier handelte es sich "nur" um eine Komödie, die aus den kindhaften Versuchen zweier Jugendlicher, "Rambo" neu zu verfilmen, ihren Humor bezieht. "Son of Rambow" ist mehr als das. Elemente des Sozialdramas finden sich hier; Elemente des Action-Films logischerweise; Elemente des Fantasy-Films in Wills "animierten" Tagtraumsequenzen; und schließlich bricht auch die Screwball-Komödie ein, wenn der französische Austauschschüler Didier Revol im Verlauf des Films das Ruder über die ambitionierten Dreharbeiten zu übernehmen droht. All diese Handlungen basieren auf der zentralen Idee: Zwei Jungen sehen einen brutalen Action-Film, den sie in ihrem Alter NIEMALS hätten sehen dürfen - und er inspiriert sie, er inspiriert sie zu Kreativität und zur Freundschaft! Das ist für einen Film, der das Prädikat "wertvoll" verdient, eine recht gefährliche Prämisse.
Zwei Jungen mit vollkommen unterschiedlicher Sozialisation treffen aufeinander - und helfen sich gegenseitig, ihren familiären Beschränkungen zu entkommen. Lee Carter hat die Vision: Der Schulbully und Schwerenöter will sich durch einen Filmwettbewerb der BBC endlich Anerkennung verschaffen. Will Proudfoot bringt die Fantasie und ein neues Drehbuch mit: Der kleine Zeichner, gefangen in der restriktiven Religion seiner Familie, traumatisiert durch den Tod seines Vaters, verleiht dem Projekt seinen hemmungslosen Enthusiasmus. Die Hindernisse auf ihrem Weg sind zahlreich, die Themen des Films vielfältig: Wills Mutter und Lees Bruder müssen umdenken, soll die Freundschaft zwischen Will und Lee eine Chance haben. Lee muss ein Eckchen sozialer handeln, will er Wills kreatives Geschenk akzeptieren. Will dagegen lässt seine gesellschaftlichen Normen schnell fallen, damit seine Filmträume Wirklichkeit werden. Und schließlich droht auch noch die Zerstörung ihrer künstlerischen Vision, ihres sympathischen Dilletantismus und ihrer Freundschaft durch die Einmischung eines weiteren potentiellen Filmemachers...
Junge Darsteller zum Knuddeln, liebevolle Charakterzeichnung und auch gezielte -überzeichnung, "britischer" Humor (so sich das definieren lässt) und ganz viel Herz: Danach will man auch ganz schnell wieder "raus zum Spielen". Dass der Film in den 80ern spielt, Will und Lee heute also in ihren 40ern sein müssten, schafft eine eigenwillige Nostalgie, die "Son of Rambow" noch eine weitere, ganz eigene Note gibt. Einfach wunderbar!