Pressestimmen
"Wenn Sie Fantasy mögen, müssen Sie Christoph Marzis wunderbare Werke lesen. Eine echte Entdeckung!" (Stern )
Kurzbeschreibung
Die Rückkehr in die Uralte Metropole
Der neue magische Bestseller vom preisgekrönten Autor von „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“: Die Welt ist im Wandel. Verborgene Himmel verschwinden, Träume werden zu Fallen. In London sind zwei mächtige Häuser endlich geeint. Doch weit entfernt, in der unergründlichen Welt unterhalb New Yorks, stoßen Scarlet Hawthorne und der mürrische Alchemist Wittgenstein auf ein Geheimnis, das die Uralten Metropolen der Welt für immer verändern wird ...
Der neue magische Bestseller vom preisgekrönten Autor von „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“: Die Welt ist im Wandel. Verborgene Himmel verschwinden, Träume werden zu Fallen. In London sind zwei mächtige Häuser endlich geeint. Doch weit entfernt, in der unergründlichen Welt unterhalb New Yorks, stoßen Scarlet Hawthorne und der mürrische Alchemist Wittgenstein auf ein Geheimnis, das die Uralten Metropolen der Welt für immer verändern wird ...
Klappentext
»Christoph Marzi ist ein wunderbarer Autor, der uns die Welt um uns herum vergessen lässt! Er schreibt so fesselnd wie Conelia Funke oder Jonathan Stroud.«
Bild am Sonntag
Bild am Sonntag
"Wenn Sie Fantasy mögen, müssen Sie Christoph Marzis wunderbare Werke lesen. Eine echte Entdeckung!"
Stern
Über den Autor
Christoph Marzi, Jahrgang 1970, wuchs in Obermending nahe der Eifel auf, studierte in Mainz und lebt heute mit seiner Familie im Saarland. Seit dem großen Erfolg seiner Saga um die Uralte Metropole (Lycidas, Lilith und Lumen) ist er einer der erfolgreichsten deutschen Phantasik-Autoren.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Welt ist wie Wasser, scharlachrot und sanft gefärbt mit hellem Himmel. Und manchmal sind die Träume, die sich tief in den vergessenen Liedern unserer Kindheit verbergen, wie die Pfade in den tiefen Wäldern, von jenem schweren Dunkel, das allein zu betreten man sich scheut, weil was dort schlummert, nur selten ist, was man zu finden hofft.
Scarlet Hawthorne, die in einer stürmischen Winternacht durch die Straßen von Greenwich Village irrte, wusste nur allzu gut, wie es sich anfühlt, wenn einem das Herz unversehens verstummt. Sie wusste genau, was rabenschwarze Angst ist. Doch alles andere hatte sie vergessen.
Ich war auf dem Nachhauseweg von einem meiner nächtlichen Ausflüge, als ich sie traf, an einem mystischen Ort, wo eine Straße namens Waverley Place eine andere Straße namens Waverley Place kreuzt.
Dichte Schneeflocken tanzten wie winzige Eisfliegen in der kalten Luft und verfingen sich in ihrem Haar, das so dunkel wie Ebenholz war, und trieben in dem Atem, der ihr wie ein geheimnisvoller Schleier vor dem Gesicht hing. Sie lehnte sich für einen kurzen Augenblick gegen die hohe Backsteinwand eines der alten Häuser, das im Schatten der Kathedrale der heiligen Zita stand, schnappte nach Luft und schaute sich um wie jemand, der gefährliche Verfolger auf seinen Spuren wähnt.
Sie stand still da, wie eine Puppe, so regungslos, und dann strauchelte sie und sank, mit dem Rücken zur Wand, zu Boden.
Ich eilte ihr zu Hilfe.
Und von diesem Moment an änderte sich mein Leben.
Jetzt, kaum mehr als einen einzigen Tag und eine halbe Nacht später, ahne ich, dass Scarlet Hawthornes Schicksal ganz eng mit jenen rätselhaften Geschehnissen verwoben ist, jenen düsteren Begebenheiten, deren heimliches und todbringendes Wesen zu ergründen wir schon seit Wochen erfolglos versuchen.
Nun beginnt alles einen Sinn zu ergeben. Die Scherben der Spiegel fügen sich langsam zu einem unvollständigen Bild, mit Rändern, so scharf wie Eis.
»Was wird jetzt geschehen?«, fragt mein Gegenüber.
Wir stehen vor einer Tür.
»Was verbirgt sich dahinter?«, höre ich meine Begleiterin fragen.
Solitaire - das ist es, was wir denken. Sonst nichts. Nur Solitaire.
»Woher, in aller Welt, soll ich das denn wissen?«, stelle ich die Gegenfrage und drücke die rostige Klinke nach unten. Es kurzerhand auszuprobieren - war das nicht schon immer der einfachste Weg, um den Dingen auf den Grund zu gehen?
Doch nein, halt - ich sollte den Geschehnissen nicht hastig vorauseilen wie der Herbstwind, der ungestüm im rostroten Oktoberland lebt. Ich sollte genau dort beginnen, wo die Geschichte tatsächlich ihren Anfang hat.
Ich sollte da beginnen, wo alles wirklich begann.
Seien Sie geduldig.
Ja!
Folgen Sie mir in die Stadt aller Städte, die neugeborene Metropole, deren Gebäude bis in den Himmel reichen und die schweren Wolken selbst berühren. Die endlose Stadt an den beiden Flüssen, die schon so viele Schiffe erblickt haben. Sie ist ein lebendiges Wesen, das aus vielen Stimmen geboren, auf einer Vergangenheit aus Träumen errichtet wurde. Die Metropole, die viele Namen hat: Neu Amsterdam, New York und, allen voran, natürlich: Gotham. Ein Flickwerk aus den staubigen uralten Metropolen der alten Welt, voller Farben, Lieder, Erinnerungen.
Ja, all die Erinnerungen an das, was einst war, und an das, was erst noch sein wird.
Denn auch unsere Geschichte beginnt, wie so viele andere Geschichten vor ihr, mit einer Erinnerung. In diesem Fall ist es sogar nur eine einzige Erinnerung, eine kümmerliche Notiz, die hilflos im Wind weht, verloren und ohne Ziel. Etwas, was noch vage da ist, wenn man aus dem Schlaf erwacht, was den Winter erahnen und einen sich händeringend nach dem Herbst mit seinen bunten Blättern und Sonnenstrahlen zurücksehnen lässt, kaum mehr als ein Bild, doch so klar und deutlich, dass man es fast riechen kann.
Scarlet Hawthorne, die außer ihrem Namen und den wenigen Habseligkeiten, die sie bei sich trug, kaum etwas besaß, öffnete die Augen und sah auf die dunkle Fläche des Hudson River - dorthin, wo in der nahen Ferne Mylady Liberty ihre glühende Fackel der Nacht entgegenreckte.
Die junge Frau stand am Rande des Battery Parks und bewegte sich kaum. Sie konnte die Silhouetten der Kanonen erkennen, die einmal die Stadt verteidigt hatten und die jetzt kaum mehr als eingerostete Attrappen waren. Ein Wind, der nach der fauligen Tiefe der weiten See roch, wehte ihr schneidend ins Gesicht, und das pechschwarze Haar kitzelte ihre bleichen Wangen. Die alte holländische Windmühle, die wie ein hölzernes Karussell aussah, drehte sich hinter ihr im Kreis, und die Segel aus weißem Leinen blähten sich mit jeder Böe. Irgendwo weiter hinten in der Nacht erhob sich Castle Clinton National Monument, die Artilleriestellung, die P.T. Barnum einst als Theater gedient hatte. Es roch nach dem dunklen Wasser des Hudson, der nicht weit von dieser Stelle den East River küsste und gemeinsam mit ihm der offenen See zuströmte.
Die junge Frau musste an einen anderen Ort denken, einen See, der weit entfernt war und dessen Ufer von hohen Kiefern und Tannen und wilden Zedern gesäumt waren. Sie wusste nicht, was es mit diesem See auf sich hatte, und sie hatte auch keine Ahnung, wo sich dieser See befand. Sie sah nur die Wolken, die sich auf der Wasseroberfläche spiegelten. Sie sah, wie sie vorbeizogen, und sie sah einen hellen Himmel, der wunderschön war, und sie roch die klaren Wasser des Sees, die ruhig vor ihrem geistigen Auge im Licht glitzerten und leise Dinge wisperten, die sie glücklich und traurig zugleich stimmten. Sie erblickte eine untergehende Sonne und dann wieder die vielen Wolken, und sie wusste, dass kein Anblick so schön sein konnte wie dieser. Sie streckte die Hand danach aus, als könne sie dieses Wasser berühren, dieses klare, kalte Wasser, so scharlachrot und sanft gefärbt mit Himmel, dass es ihr wie ein Stich mitten in ihr Herz vorkam, auch nur daran zu denken. Doch es waren Wasser, die eigentlich woanders waren. Und auf ihrer Hand setzten sich nur die Schneeflocken nieder.
Sie schloss die Augen, öffnete sie wieder. Sie war noch immer hier. Nirgendwo anders.
Dann zerschnitt das Heulen die Luft. Es flog auf den Schwingen des Lärms der nächtlichen Stadt zu ihr, und sie wusste, dass es ihr galt. Ja, nur ihr allein. Die Angst war da, als sei sie niemals fort gewesen. Wie ein Schlag ins Gesicht traf sie das Gefühl, das ihre Seele eisern umschloss und sie zittern ließ. Der Wind trug die schrillen Töne durch die Straßenschluchten, über die Dächer der Yellow Cabs hinweg, an vermummten Passanten und geduldig im Verborgenen wartenden Wegelagerern vorbei, über Rauchschwaden und Schmutz und flimmernde Leuchtreklamen hinweg - bis hin zu ihr. Hinab in die verlassenen Weiten des nächtlichen Battery Parks.
Die übrigen Geräusche flüsterten nur.
Versprechen, die wie Berührungen waren. Heimliche Gefährten in der Nacht aus Winterszeit.
Das Schwappen des Wassers gegen die Ufersteine. Das ölige Ächzen der Windmühle.
Scarlet Hawthorne, die in einer stürmischen Winternacht durch die Straßen von Greenwich Village irrte, wusste nur allzu gut, wie es sich anfühlt, wenn einem das Herz unversehens verstummt. Sie wusste genau, was rabenschwarze Angst ist. Doch alles andere hatte sie vergessen.
Ich war auf dem Nachhauseweg von einem meiner nächtlichen Ausflüge, als ich sie traf, an einem mystischen Ort, wo eine Straße namens Waverley Place eine andere Straße namens Waverley Place kreuzt.
Dichte Schneeflocken tanzten wie winzige Eisfliegen in der kalten Luft und verfingen sich in ihrem Haar, das so dunkel wie Ebenholz war, und trieben in dem Atem, der ihr wie ein geheimnisvoller Schleier vor dem Gesicht hing. Sie lehnte sich für einen kurzen Augenblick gegen die hohe Backsteinwand eines der alten Häuser, das im Schatten der Kathedrale der heiligen Zita stand, schnappte nach Luft und schaute sich um wie jemand, der gefährliche Verfolger auf seinen Spuren wähnt.
Sie stand still da, wie eine Puppe, so regungslos, und dann strauchelte sie und sank, mit dem Rücken zur Wand, zu Boden.
Ich eilte ihr zu Hilfe.
Und von diesem Moment an änderte sich mein Leben.
Jetzt, kaum mehr als einen einzigen Tag und eine halbe Nacht später, ahne ich, dass Scarlet Hawthornes Schicksal ganz eng mit jenen rätselhaften Geschehnissen verwoben ist, jenen düsteren Begebenheiten, deren heimliches und todbringendes Wesen zu ergründen wir schon seit Wochen erfolglos versuchen.
Nun beginnt alles einen Sinn zu ergeben. Die Scherben der Spiegel fügen sich langsam zu einem unvollständigen Bild, mit Rändern, so scharf wie Eis.
»Was wird jetzt geschehen?«, fragt mein Gegenüber.
Wir stehen vor einer Tür.
»Was verbirgt sich dahinter?«, höre ich meine Begleiterin fragen.
Solitaire - das ist es, was wir denken. Sonst nichts. Nur Solitaire.
»Woher, in aller Welt, soll ich das denn wissen?«, stelle ich die Gegenfrage und drücke die rostige Klinke nach unten. Es kurzerhand auszuprobieren - war das nicht schon immer der einfachste Weg, um den Dingen auf den Grund zu gehen?
Doch nein, halt - ich sollte den Geschehnissen nicht hastig vorauseilen wie der Herbstwind, der ungestüm im rostroten Oktoberland lebt. Ich sollte genau dort beginnen, wo die Geschichte tatsächlich ihren Anfang hat.
Ich sollte da beginnen, wo alles wirklich begann.
Seien Sie geduldig.
Ja!
Folgen Sie mir in die Stadt aller Städte, die neugeborene Metropole, deren Gebäude bis in den Himmel reichen und die schweren Wolken selbst berühren. Die endlose Stadt an den beiden Flüssen, die schon so viele Schiffe erblickt haben. Sie ist ein lebendiges Wesen, das aus vielen Stimmen geboren, auf einer Vergangenheit aus Träumen errichtet wurde. Die Metropole, die viele Namen hat: Neu Amsterdam, New York und, allen voran, natürlich: Gotham. Ein Flickwerk aus den staubigen uralten Metropolen der alten Welt, voller Farben, Lieder, Erinnerungen.
Ja, all die Erinnerungen an das, was einst war, und an das, was erst noch sein wird.
Denn auch unsere Geschichte beginnt, wie so viele andere Geschichten vor ihr, mit einer Erinnerung. In diesem Fall ist es sogar nur eine einzige Erinnerung, eine kümmerliche Notiz, die hilflos im Wind weht, verloren und ohne Ziel. Etwas, was noch vage da ist, wenn man aus dem Schlaf erwacht, was den Winter erahnen und einen sich händeringend nach dem Herbst mit seinen bunten Blättern und Sonnenstrahlen zurücksehnen lässt, kaum mehr als ein Bild, doch so klar und deutlich, dass man es fast riechen kann.
Scarlet Hawthorne, die außer ihrem Namen und den wenigen Habseligkeiten, die sie bei sich trug, kaum etwas besaß, öffnete die Augen und sah auf die dunkle Fläche des Hudson River - dorthin, wo in der nahen Ferne Mylady Liberty ihre glühende Fackel der Nacht entgegenreckte.
Die junge Frau stand am Rande des Battery Parks und bewegte sich kaum. Sie konnte die Silhouetten der Kanonen erkennen, die einmal die Stadt verteidigt hatten und die jetzt kaum mehr als eingerostete Attrappen waren. Ein Wind, der nach der fauligen Tiefe der weiten See roch, wehte ihr schneidend ins Gesicht, und das pechschwarze Haar kitzelte ihre bleichen Wangen. Die alte holländische Windmühle, die wie ein hölzernes Karussell aussah, drehte sich hinter ihr im Kreis, und die Segel aus weißem Leinen blähten sich mit jeder Böe. Irgendwo weiter hinten in der Nacht erhob sich Castle Clinton National Monument, die Artilleriestellung, die P.T. Barnum einst als Theater gedient hatte. Es roch nach dem dunklen Wasser des Hudson, der nicht weit von dieser Stelle den East River küsste und gemeinsam mit ihm der offenen See zuströmte.
Die junge Frau musste an einen anderen Ort denken, einen See, der weit entfernt war und dessen Ufer von hohen Kiefern und Tannen und wilden Zedern gesäumt waren. Sie wusste nicht, was es mit diesem See auf sich hatte, und sie hatte auch keine Ahnung, wo sich dieser See befand. Sie sah nur die Wolken, die sich auf der Wasseroberfläche spiegelten. Sie sah, wie sie vorbeizogen, und sie sah einen hellen Himmel, der wunderschön war, und sie roch die klaren Wasser des Sees, die ruhig vor ihrem geistigen Auge im Licht glitzerten und leise Dinge wisperten, die sie glücklich und traurig zugleich stimmten. Sie erblickte eine untergehende Sonne und dann wieder die vielen Wolken, und sie wusste, dass kein Anblick so schön sein konnte wie dieser. Sie streckte die Hand danach aus, als könne sie dieses Wasser berühren, dieses klare, kalte Wasser, so scharlachrot und sanft gefärbt mit Himmel, dass es ihr wie ein Stich mitten in ihr Herz vorkam, auch nur daran zu denken. Doch es waren Wasser, die eigentlich woanders waren. Und auf ihrer Hand setzten sich nur die Schneeflocken nieder.
Sie schloss die Augen, öffnete sie wieder. Sie war noch immer hier. Nirgendwo anders.
Dann zerschnitt das Heulen die Luft. Es flog auf den Schwingen des Lärms der nächtlichen Stadt zu ihr, und sie wusste, dass es ihr galt. Ja, nur ihr allein. Die Angst war da, als sei sie niemals fort gewesen. Wie ein Schlag ins Gesicht traf sie das Gefühl, das ihre Seele eisern umschloss und sie zittern ließ. Der Wind trug die schrillen Töne durch die Straßenschluchten, über die Dächer der Yellow Cabs hinweg, an vermummten Passanten und geduldig im Verborgenen wartenden Wegelagerern vorbei, über Rauchschwaden und Schmutz und flimmernde Leuchtreklamen hinweg - bis hin zu ihr. Hinab in die verlassenen Weiten des nächtlichen Battery Parks.
Die übrigen Geräusche flüsterten nur.
Versprechen, die wie Berührungen waren. Heimliche Gefährten in der Nacht aus Winterszeit.
Das Schwappen des Wassers gegen die Ufersteine. Das ölige Ächzen der Windmühle.