Raik Thorstad: Wer ist Raik Thorstad - oder auch Tasmanian Devil? Gute Frage. Ein Nordlicht, das zwischen seinen Leidenschaften Schreiben und Musik (gelernter Musikalienhändler und Mitarbeiter diverser Musikmagazine) hin- und herpendelt, und sich unlängst für die Feder entschieden hat. Allerdings nicht für ein festes Genre. Psychologie, Historie, Endzeit, Fantasy. Warum sich Grenzen setzen? Im September 2011 erscheint der erste Roman "Leben im Käfig" hier beim FWZ-Verlag.
Nico Morleen: in Hattingen geboren lebt die Autorin auch heute noch im Ruhrgebiet. Schon seit ihrer Jugend schreibt sie aus Leidenschaft und verfasst seit einigen Jahren hauptsächlich homoerotische Liebes- und Fantasyromane.
Chris P. Rolls: studierte Pädagogik in Hamburg, heute arbeitet sie als Reitlehrerin/Pferdetrainerin und betreibt einen Pferdehof. Schon früh dem Schreiben verfallen, liegt ihre besondere Leidenschaft im Bereich Fantasy und Homoerotik. Zurzeit schreibt sie an einem homoerotischen Fantasyroman neben weiteren kleineren Projekten.
Karo Stein: lebt mit Ihrer Familie in einer kleinen Stadt im Harzvorland. Neben Ihrer Familie ist das Schreiben mittlerweile zu Ihrer größten Leidenschaft geworden. Sie hat sich auf homoerotische Belletristik spezialisiert.
C. Flage: lebt und arbeitet seit dem Abschluss ihres Studiums in und um Berlin. Schreibtechnisch gesehen bevorzugt sie das Genre Urban Fantasy als Spielwiese. All die Möglichkeiten! Generell gesehen orientiert sie sich aber nicht unbedingt an Genregrenzen. Sie spielt gern mit Worten und Stilelementen, mit Charakteren und Ideen und liebt es, Leser mit auf die Reise in fremde Welten zu nehmen.
Isabel Shtar hat Kunstgeschichte und Klassische Archäologie studiert. Verwurzelt in Norddeutschland gilt ihre Leidenschaft neben dem Schreiben dem Reisen sowie ihrem äußerst gelehrigen, aber nicht immer kooperativen Nymphensittich. Aktuell arbeitet sie an verschiedenen homoerotischen Romanen, die Fantastisches und Reales auf unterschiedliche Weise miteinander vermischen.
Volltreffer-Liebe auf den ersten Schuss von Nico Morleen (Zoya)
„Was hab ich dir eigentlich getan? Ja gut, das mit dem Fußball war blöd, aber dafür hab ich mich doch schon zigmal entschuldigt!“, fuhr Jörn frustriert fort. Gute Frage, was hatte Jörn ihm getan? Er war nett zu ihm und brachte ihn durcheinander. Er hatte so lange von einer unerreichbaren Person geträumt, dass es ihm nun Angst machte, solche Gefühle auch für jemanden zu empfinden, der greifbar war. Und aus diesem Grund biss er um sich, versuchte Jörn auf Abstand zu halten, damit dieser ihm nicht zu nah kam.
„Mann, hör doch mal mit dem Käse auf! Du bist doch gar nicht fett!“, unterbrach ihn Jörn heftig und Moritz schnaubte abfällig.
„Du solltest mal zum Optiker gehen. Ich hab einen Spiegel und weiß, wie ich aussehe.“ „Anscheinend nicht.“
„Das Gelaber kannst du dir ebenfalls sparen. Du musst mein Ego nicht aufpolieren. Lass mich einfach in Ruhe!“, brüllte Moritz Jörn an. Plötzlich brannten seine Augen und ein Kloß schnürte seine Kehle zu. Er würde ihm so gerne glauben. Wünschte sich, dass Jörn ihn anders sah. Wie sehr, merkte er erst jetzt. Aber das war Unsinn! Jörn sagte das, weil er ihn nicht verletzen wollte und man sonst niemandem ins Gesicht sagte, dass derjenige eine fette Qualle war. Da er nicht vor ihm in Tränen ausbrechen wollte, drehte er sich um und rannte los. Es war ihm egal, dass er klatschnass wurde; zumindest, bis er die ersten Schritte unter dem Vordach hervor in den Regen getreten war und ein Blitz über den grauen Himmel zuckte, gefolgt von einem lauten Donnerschlag. Verdammt! Widerwillig drehte er um, stellte sich jedoch, so weit es ging, von Jörn entfernt an die gegenüberliegende Wand.
Eine Weile sagte keiner von ihnen ein Wort, bis Jörn das Schweigen brach. Dies zunächst so leise, dass der Regen fast seine Worte schluckte. „Meinst du, ich hab keine Komplexe? Meinst du, es ist schön, immer nur der kleine Bruder des ach so tollen Torben zu sein und nie an diesen heranzukommen, egal was man macht? Immer die zweite Wahl zu sein? Sogar du ...“ „Was ich?“, zischte Moritz, wirbelte zu ihm herum und war überrascht, wie nah Jörn ihm gekommen war. Sie trennten nur noch wenige Schritte.
„Ich hab gesehen, wie du ihn beobachtet hast.“
„Er springt halt klasse“, verteidigte sich Moritz aufgebracht.
„Ich meine damit nicht nur im Schwimmbad, sondern in der Schule und überall, wo du ihn siehst“, erwiderte Jörn leise und versetzte Moritz damit einen persönlichen Tiefschlag. Er war immer der Ansicht gewesen, vorsichtig zu sein. Dass niemand, und schon gar nicht Jörn, bemerkte, was mit ihm los war. So in die Ecke gedrängt, war es ihm nun egal, dass gerade die Welt unterging, denn seine persönliche lag bereits in Trümmern. Doch bevor er sich erneut umdrehen und die Flucht ergreifen konnte, packte Jörn ihn am Oberarm. Ungehalten machte er sich los und fauchte zurück: „Und selbst wenn? Was geht es dich an?“
„Du kapierst es wirklich nicht, oder?“, fragte Jörn ausdruckslos.
„Was kapiere ich nicht? Klar, ich bin nicht nur fett, sondern auch doof und ...“ Weiter kam er nicht, denn plötzlich verschlossen weiche, kühle Lippen die seinen. Sein Herz setzte vor Schreck aus, bevor es losgaloppierte und das Blut in seinen Ohren rauschen ließ.
Er küsste ihn. Ein anderer Junge küsste ihn. Jörn küsste ihn! Er taumelte leicht zurück, spürte die harte Wand in seinem Rücken und lehnte sich dagegen, da seine Knie nachzugeben drohten. Sanft saugte Jörn derweil an seiner Unterlippe und schickte damit ein Kribbeln durch seinen ganzen Körper. Moritz glaubte, es selbst in den Zehenspitzen zu spüren. Und erst als Jörn sich zaghaft zurückzog, ging Moritz auf, dass er starr wie eine Statue dagestanden hatte, dabei wollte er doch gar nicht, dass der Kuss endete. Schnell legte er eine Hand in Jörns Nacken und zog ihn zurück. Pressten nun schon fester ihre Münder aufeinander und das Prickeln begann von Neuem. Ein Seufzen entwich ihm, oder war es Jörn gewesen? Es war egal, alles, was in dem Moment zählte waren diese nun schon wärmeren Lippen, die leicht nach Vanille schmeckten. Als Jörn sich jedoch mit seiner Zunge vorwagte, zuckte Moritz erneut zurück, aber auch dieses Mal kam Jörn ihm nach. Zögerlich öffnete er die Lippen und kam der fremden Zunge ein wenig entgegen. Er fühlte sich so unbeholfen und hatte das Gefühl, alles falsch zu machen. Der Gedanke zusammen mit allen anderen verflüchtigte sich jedoch, als sich ihre Zungenspitzen zum ersten Mal trafen. Seine Finger krallten sich in Jörn Schultern, suchten Halt, denn seinen Beinen traute er nicht länger, während seine Zunge einfach Jörns Bewegungen nachahmte. So schlecht schien er sich nicht anzustellen, denn Jörn drängte sich stöhnend an ihn, seine Finger strichen seine Seite entlang, stahlen sich auf seinen Rücken und wanderten tiefer. Wabbelarsch, schoss es Moritz da durch den Kopf und er schob ihn ein Stück von sich weg. Widerstandslos wich Jörn einen kleinen Schritt zurück, sah ihm aber mit brennendem Blick in die Augen.
„Ich will nicht mehr die zweite Wahl sein“, murmelte er mit brüchiger Stimme, und nun rannte er in den Regen hinaus. Doch er kehrte nicht um.
La Florence von C.Flage
Unschlüssig stand Greg vor dem Bungalow, der in den nächsten zwei Wochen sein zu Hause, und wenn es nach Shontalle und Victoria ging, Schauplatz gar unaussprechlicher Dinge sein würde. Da sein Gepäck bereits voraus gebracht worden war, hatte er nichts, an dem er sich festklammern konnte, als er die Stufen des mediterran gestalteten, luftig wirkenden Hauses emporstieg und die Tür aufstieß. Vielleicht, ging es ihm dabei durch den Kopf, war das alles gar nicht so übel, wie er gedacht hatte. In New York war es schwierig, jemanden zu finden, wenn man in der Regel bis über beide Ohren in Arbeit steckte. Eine Beziehung in dem ganzen Chaos zu führen war quasi unmöglich. Greg hatte es mehr als einmal versucht. One-Night- Stands auf der anderen Seite konnten einen in ziemlich merkwürdige Situationen bringen. Was nicht bedeutete, dass er es nicht versucht hatte. Nur um eines schönen Morgens in Handschellen, die nicht ihm gehörten und splitterfasernackt, um Brieftasche und Würde leichter, in einem Hotelzimmer aufzuwachen, das dem Begriff siffig ganz neue Dimensionen verlieh.
Also ja, vielleicht war das hier genau das, was er brauchte, um den Stress abzubauen, der ihn nachts nicht schlafen und tagsüber nicht entspannen ließ. Eine Art Sommerflirt ohne Konsequenzen, mit jemandem, der auf derselben Wellenlänge schwamm. Je länger er darüber nachdachte, desto logischer erschien ihm das Ganze und nun, er war nicht der erste Mann auf der Welt, der diesen Weg wählte, richtig?
Noch dazu schien es hier nirgends ein Telefon zu geben, mit dessen Hilfe er seine Flucht, geschweige denn ein Meeting hätte organisieren können. Was bedeutete, dass er mit seiner Zeit gar nichts anderes anfangen konnte, nicht wahr?
Seine letzten Zweifel aber verschwanden erst, als er aus dem schattigen Korridor trat, falsch abbog und sich in der geräumigen Küche wiederfand. In Gesellschaft eines etwa fünf Jahre jüngeren Mannes, der sich, Greg das Profil zugewandt, über die Spüle beugte und den Wasserhahn betätigte. Und nun, sein stiller Beobachter wusste, dass das oberflächlich war und unreif, doch was er sah, änderte die Situation erheblich, denn Eric war ... heiß. Dank der erfreulichen Tatsache, dass er lediglich leicht ausgebeulte Jeans trug, hatte Greg freien Blick auf seinen Oberkörper.
Sonnengebräunte Haut schimmerte golden im weichen Tropenlicht. Er war einen Tick muskulöser als Greg es normalerweise mochte, aber an ihm sah es natürlicher aus als bei all den Fitnessstudiohengsten, die einem in der Stadt über den Weg liefen. Beinahe, als stammten Bizeps, Trizeps und Waschbrettbauch von körperlicher Arbeit. Was ungewöhnlich war für jemanden, der sich seine Brötchen als Edel-Escort verdiente. Ungewöhnlich wie der Bartschatten und der wilde, braune Haarschopf, in den sich von der Sonne gebleichte Strähnen mischten....