Marc Schlosser ist Hausarzt. Er hat eine Frau und zwei nette Töchter, die er sehr liebt, auch wenn er zugeben muss, dass Töchter für einen Mann natürlich nur das Zweitbeste sind, Söhne sind einfach das Nonplusultra. Sein Beruf macht ihm nicht wirklich Freude, dazu hat er zu viel mit Menschen und ihren Körpern zu tun. Aber es ist nun mal sein Job.
Das Buch beginnt eigentlich mit dem Ende der Geschichte: Marc wird wegen eines ärztlichen Kunstfehlers angeklagt, der zum Tod von Ralph Meier geführt haben soll. In Rückblenden erzählt Marc dann, wie es dazu gekommen ist.
Als er eines Tages den Schauspieler Ralph Meier kennenlernt und später dessen Frau Judith sowie die beiden Söhne, nimmt das Unheil seinen Lauf. Im Urlaub in Frankreich treffen sich die beiden Familien im Sommerhaus der Meiers. Anfangs sieht alles nach einem netten Urlaub aus, die beiden Paare verstehen sich gut, die Kinder genauso. Doch über alldem liegt die ganze Zeit bereits eine Andeutung, dass eben nicht alles so toll und unkompliziert ist - bis es dann eines Tages zu einem furchtbaren Ereignis kommt!
Marc Schlosser ist kein sympathischer Charakter - aber er ist in vielerlei Hinsicht ehrlich, geradezu brutal ehrlich. Bei den detaillierten Schilderungen, wie er sich vor Körperteilen und Einstellungen seiner Patienten und Mitmenschen ekelt, lief es mir regelrecht kalt den Rücken herunter. Ja, das sind Dinge, an die man gar nicht denken möchte, die ich auch eigentlich nicht unbedingt in Buchform vor mir haben muss. Aber trotz des Ekelfaktors (oder deswegen?) hat das Buch durchaus einen hohen Unterhaltungswert. Weniger gefallen hat mir Marcs moralische Einstellung. Hier werden Gedanken und Taten, die gesellschaftlich nicht korrekt sind, als natürlich und völlig normal hingestellt. Ist das nun die erfrischende Entlarvung von Alltagslügen, die wir uns selber oft genug vorbeten oder ist es ziemlich hässlicher Zynismus?
Auf jeden Fall war es ein Buch, das sich zwar schnell lesen lässt, über das man sich aber noch eine ganze Weile Gedanken machen kann!