Kurz zum Inhalt:
Ein Drehbuchautor lebt seit der Scheidung von seiner Frau zurückgezogen in einem alten Bürokomplex. Eines Nachts klingelt eine - allem Anschein nach ziemlich einsame - Frau an seiner Tür, mit der er schließlich eine Beziehung eingeht.
Darüber hinaus glaubt der Protagonist, in den Straßen von Tokio seinen längst verstorbenen Eltern zu begegnen. Diese sucht er seitdem immer häufiger in ihrer Wohnung auf. Aber die Besuche bleiben nicht folgenlos, sondern scheinen sich negativ auf sein eigenes Leben auszuwirken - so sieht er nach jedem Treffen gealtert und erschöpft aus. Er weiß genau, dass ihn diese Treffen umbringen könnten, trotzdem gelingt es ihm nicht, sich endgültig von »seinen Eltern« zu verabschieden.
Vor allem am Anfang gelingt es Yamada, eine düstere und dichte Atmosphäre zu schaffen. Dies gilt besonders für die Begegnungen zwischen dem Protagonisten und seiner geheimnisvollen Nachbarin bzw. Geliebten. Zeitweise hat mich diese Stimmung sogar etwas an Haruki Murakami erinnert, intensiv und merkwürdig.
Aber im weiteren Verlauf verliert sich diese Stimmung irgendwie. Gerade die Begegnungen mit seinen Eltern, die einen großen Teil des Buches ausmachen, fand ich nicht besonders überzeugend. Formulierungen à la »Mein Vater - oder die Person, die aussah wie mein Vater« wiederholen sich so oft, dass es eher nervt, als dass es zur düsteren Atmosphäre beiträgt. Dazu kenne ich sonst kaum einen Autor, der so viele knappe Hauptsätze aneinanderreiht, dass es sich mitunter schon negativ auf den Lesefluss auswirkt.
Zum Ende hin gewinnt die Geschichte jedoch wieder ordentlich an Fahrt, sodass man zwar nicht völlig überwältigt ist, man das Buch aber ebenso wenig verärgert aus der Hand legt. Und dazwischen kann es tatsächlich passieren, dass man sich ein wenig gruselt ... denn der Plot ist, mit Ausnahme des oben beschriebenen Punktes, gelungen.
Insgesamt eine interessante Geschichte, die sich schnell lesen lässt und dabei teils recht atmosphärisch ist, aber kein Meisterwerk.
3,5 Sterne