Mit welcher seiner drei Angebeteten soll er nun den romantischen Ausflug auf die Insel Ouessant wagen? Und wird die Auserwählte denn überhaupt mitkommen?
Gaspard (Melvil Poupaud, 23) ist ein hübscher Junge - das ist Margot (Amanda Langlet, 29), Solene (Gwenaëlle Simon) und Lena (Aurelia Nolin) auch nicht entgangen. Vor allem aber kann man ihn, der nicht nur jünger aussieht, als er wirklich ist, noch herrlich manipulieren. Doch stets, wenn ihn eine der jungen Damen düpiert hat, steht die nächste bereit, um mit ihm ausführlich die neue Situation zu besprechen. Aber in ihrem Interesse unterscheiden sich die Frauen: Lena sucht eigentlich etwas Besseres - was immer sie sich darunter vorstellt. Außerdem fällt ihr schwer, auf die Aufmerksamkeit ihrer Cousins zu verzichten. Solene ist noch nicht reif für feste Beziehungen und nimmt, was kommt - natürlich unter Beachtung eherner Grundsätze. Nur die Ethnologin Margot ist wirklich an Gaspard interessiert und reif genug für eine Beziehung; aber das Letzte, was sie zugeben würde, ist eben das. So schickt sie einen imaginären festen Freund vor, der irgendwann einmal eintreffen soll. Gaspard hält sie "nur" für eine "gute Freundin" und merkt weder, was ihm entgeht, noch, wie er sich immer wieder um Kopf und Kragen redet. Doch Margot kämpft bis zur letzten Minute ...
Éric Rohmer lässt in seinem Sommer-Film von 1996 dieses schöne Stück um die Selbstfindung und die Partnersuche in langen, offenen und ehrlichen Dialogen am Strand von Dinard vor der schönen Kulisse der bretonischen Küste spielen.
Nicht schlecht, wie sich ein 76-jähriger Regisseur in die Befindlichkeiten, Sorgen und Nöte von jungen Menschen auf der Stufe zum Ernst des Lebens einfühlen kann - vielleicht verstehen die Alten ja doch mehr von der Liebe und dem Leben. Die Leichtigkeit, mit der französische Filme den Flirt, die Liebe und das Philosophieren darüber angehen, sollte man ja kennen - dennoch ist man immer wieder verblüfft und voller Bewunderung.
Wer lange Gespräche über das wichtigste Thema genießen kann, wird von dieser hübschen kleinen "Sommererzählung" - so der französische Titel - begeistert sein.
Durch das konventionelle Format (1,33:1) wirkt das "Kammerspiel am Strand" älter, als es ist - die Bildqualität, vor allem in HD, sowie der deutsche Dolby-Ton - obschon mono - sind allerdings vorzüglich.
jury 4* A0598 10.5.2011e 6 A