Nach langer Zeit gibt es in deutschsprachigen Raum wieder etwas von Lawrence Watt-Evan zu lesen. In den 80ern wußte Watt-Evans mit dem Zyklus "Die Herren von Dûs" zu begeistern, und jetzt kommt er wieder mit einem Zyklus auf den Buchmarkt. Leider kann das Werk mit den ersten beiden Bänden nicht an die Qualität der "Herren von Dûs" anknüpfen. Zu linear ist die Handlung, zu schablonenhaft die Charakterzeichnung, zu wenig Tiefgang in der Handlung. Watt-Evans reißt zwar zwischenmenschliche Probleme an, geht aber allzuschnell zur nächsten Handlung über, ohne die Problematik gänzlich auszuloten.
Wie auch in "Das verhexte Schwert" greift der Autor das Problem extremer Langlebigkeit mit seinen Konsequenzen auf: Waren es in "Das verhexte Schwert" die Bindung an eine Waffe und der fortschreitende körperliche Verfall, so sind es in den "Obsidian-Chroniken" die zunehmende Gefühlskälte und Entmenschlichung.
Hiermit bietet sich durchaus Stoff für eine interessante Auseinandersetzung mit diesem Thema, welche hoffentlich in den Bänden 3 und 4 stattfindet.
Der gefällige Schreibstil Watt-Evans' macht die ersten beiden Bände zu angenehmer, solider Unterhaltungsliteratur - aber nicht zu mehr.