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Das deutet schon der Titel des 7:17 Minuten langen Openers an und verspricht gleich nicht zu viel. ICARUS II, eine Hymne an die amerikanischen Fliegerpiloten im Zweiten Weltkrieg, knüpft an das erhabene "Icarus - Borne on the Wings of Steel" vom 75er- Album "Masque" an; auch indem Robby Steinhardts markantes Violinenthema aus dem Original zwei Mal andeutungsweise auftaucht. Die emotionalen Lyrics erzählen die Gedanken eines Piloten, musikalisch eindrucksvoll durch eine grandiose Durchentwicklung voller Stimmungswechsel ausgedrückt. Nach dem lyrischen Intro wird eine hymnische Geigenmelodie vorgestellt, die in balladenartige Strophen führt, deren aufstrebende Melodielinie durch den warmen Gesang von Steve Walsh einen tiefgreifenden Ausdruck gewinnt. Der vielstimmige Refrain überzeugt durch den grandiosen Chorus-Gesang einer Band, die ausschließlich aus starken Stimmen besteht. Es folgt eine markante Hardrockphase - das Aufeinandertreffen mit dem Feind in der Luft, lautmalerisch begleitet von unruhigen Akzentuierungen und tollen Clean Guitar- Strukturen, bevor dieses wundervolle Epos eine Wende nimmt und in ein Instrumental-Outro eingebettet seinen Abschluss findet.
Und noch zwei weitere episch angehauchte Longtracks in typischer Kansas-Tradition machen "Somewhere To Elsewhere" zu einem der tiefgehendsten Kansas-Outputs überhaupt. MYRIAD (8:54 Minuten) ist ein Song, den die Band bereits Anfang der 70er Jahre geschrieben hat, der aber nun erst das Licht der Welt erblickte. Und das 8:47 lange DISTANT VISION entpuppt sich als einer der stärksten Kansas-Songs aller Zeiten: ein langes, rhythmisch wie harmonisch fesselndes Instrumental-Intro, treibende Vocalsstrecken von Steve Walsh im Wechsel mit einfühlsamen Chorus-Passagen, ein ausgedehntes Break mit ruhigen Gesangsstrecken von Robby Steinhardt und zum Schluss wieder ein powervoller Einsatz des Refrains, aus dem Steve Walshs tolle Tonhöhen herausragen.
In BYZANTIUM besticht Steve Walsh durch seine gigantische Stimmvielfalt von geheimnisvollen Tiefen bis zu ekstatischen Höhen, verziert durch gefühlvolle orientalische Einfärbungen. Der Refrain ist dagegen betont rhythmisch und wirkt gerade hierdurch beinahe hypnotisch eingängig und bezaubernd.
Und ein weiteres Mal steht Steve Walshs einzigartige Stimme im Mittelpunkt. Die außergewöhnliche Ballade THE COMING DAWN macht zunächst einen kitschigen, beinahe weihnachtlichen Eindruck, steigert sich dann aber insbesondere durch Walshs hochemotionalen Ausdruck zu einem unvergesslichen, expressiven Klangerlebnis.
Den zahlreichen Kompositionen mit viel Tiefgang stehen auf dem abwechslungsreichen Album mit den gitarrenlastigen WHEN THE WORLD WAS YOUNG und NOT MAN BIG sehr rockige Songs gegenüber. Und mit GRAND FUN ALLEY und DISAPPEARING SKIN TIGHT BLUES sind sogar zwei stark bluesig angehauchte Nummern mit dabei, bei denen Robby Steinhardt die überzeugenden Lead Vocals übernimmt.
Ein ganz besonderer Leckerbissen ist auch LOOK AT THE TIME, eine Mid-Tempo-Nummer, die Bassist Billy Greer eingesungen hat. Der wichtigste Backings- Sänger der Band überzeugt hier zur Abwechslung auch im Vordergrund mit einer grandiosen Vorstellung.
"Somewhere to Elsewhere" ist ein Album, das nicht nur alteingesessene "Wheatheads" glücklich macht, sondern auch ein überwältigendes Potential besitzt, neue Fans aus dem Bereich Prog Rock/ AOR zu gewinnen. Denn dieses ist bei Weitem mehr als ein nostalgisches Album. Die gefühlvolle Verschmelzung von lyrischen Melodien, erhabenen Hymnen, solidem Hard Rock und anspruchsvollen Strukturen voller emotionaler Kraft und Energie klingt unvergleichbar nach Kansas und doch nicht wie eine Kopie großer Glanztaten. Es stimmt einfach alles: Livgrens inspiriertes Songwriting, der vortreffliche Sound, der instrumentale Aspekt. Durch die tragenden Geigenmelodien von Robby Steinhardt, hervorragende Gitarrenarbeit und vielschichtig ausgetüftelte Keyboards erhält die Scheibe das waschechte Kansas-Flair. Und nicht zuletzt die Vielfalt, Qualität und Unverkennbarkeit des Gesang - die majestätischen Chorus-Stellen und die Stimmen von Steve Walsh, Robby Steinhardt und sogar Billy Greer sorgen für den nach wie vor unverkennbaren Ausdruck, ohne den Kansas nicht Kansas wären.
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