Aus der Amazon.de-Redaktion
Selbst wenn man zuvor noch kein echtes Bollywood-Melodram gesehen hat, wird einem vieles in Karan Johars gut dreieinhalbstündigen
Sometimes Happy, Sometimes Sad überraschend vertraut vorkommen. Schließlich bedienen sich gerade amerikanische und englische Filmemacher nun schon seit einiger Zeit gerne typischer Motive und Stilmittel des indischen Kinos.
Wenn man sich etwa Filme wie Moulin Rouge, Der Super-Guru oder auch Kick It Like Beckham ansieht, gleicht das einer kleinen Einführung ins Bollywood-Kino. Ihre aufwändigen Musical- und Tanzszenen sind nichts als Variationen indischer Musicalnummern. Man hat sie nur für das westliche Publikum und dessen Sehgewohnheiten leicht aufbereitet. Aber so reizvoll und erfrischend sie den ungeübten Augen auch erscheinen mögen, im direkten Vergleich mit ihren Vorbildern ziehen sie in der Regel dann doch den kürzeren.
Wie nahezu alle großen indischen Genrefilme der letzten Jahre erzählt auch Sometimes Happy, Sometimes Sad von einem Zusammenstoß von Tradition und Moderne. Ein Vater besteht darauf, dass sein ältester Sohn die Frau heiratet, die er für ihn ausgesucht hat. Doch der Sohn liebt eine andere, die zudem noch aus einer niederen Kaste stammt. Als er sie trotzdem heiratet, verbannt der Vater ihn aus der Familie. Ausgehend von dieser an sich sehr einfachen Geschichte entwirft Karan Johar ein Generationen übergreifendes Familienporträt, das einen durch seine unzähligen kleinen Details und seine enorme Opulenz fast schon überwältigt.
Das indische Kino wird in einem noch weitaus stärkeren Maße als etwa das europäische oder das amerikanische von sehr simplen und zugleich extrem standardisierten Konflikten und Konstellationen geprägt. Die äußere Handlung erscheint einem beim Sehen der Filme fast schon unbedeutend, schließlich reduziert sie sich meist auf das gerade einmal absolut Notwendige. So auch in Sometimes Happy, Sometimes Sad. Dies gibt Karan Johar die Möglichkeit, sich ganz und gar auf die Emotionen, die seiner Figuren wie die der Zuschauer, zu konzentrieren. Jede Einstellung des Films spricht unmittelbar zu unseren tiefsten Sehnsüchten und Ängsten, und nicht ein Schnitt verfehlt unser Herz.
Gerade in den ausgedehnten Musicalnummern erreicht der junge Regisseur eine emotionale Dichte, wie man sie heutzutage aus dem westlichen Kino kaum mehr kennt. Der Fluss der Bilder entwickelt in Verbindung mit der Musik einen Sog, dem man sich gar nicht erst widersetzen will. Man lässt sich einfach mitreißen und kehrt so zur Quelle des Kinos zurück. In Filmen wie Sometimes Happy, Sometimes Sad kann man noch einmal diesen Rausch erleben, den die Menschen vor mehr als einem Jahrhundert erlebt haben müssen, als das damals neue Medium seinen triumphalen Siegeszug angetreten hat. --Sascha Westphal
Kurzbeschreibung
"Als der Sohn einer indischen Familie, die zwischen starren, strengen Traditionen und dem Verlangen nach Freiheit und Modernität schwankt, nicht die für ihn arrangierte Heirat eingeht, bricht er mit seinem despotischen Vater. Erst nach langem Sehnen, vielen Irrungen und Wirrungen finden beide wieder zueinander."
DVD & Video Report
Klassische Bollywood-Komödie über einen Sohn, der sich seinem Vater und den indischen Traditionen widersetzt.
Blickpunkt:
Ein Top Ten Platz in den US-Charts in der ersten Spielwoche, Platz drei in den britischen Charts, sechs Monate Laufzeit in den indischen Lichtspielhäusern - die Hindi-Produktion 'Sometimes Happy Sometimes Sad' hat Kinogeschichte geschrieben und bietet alles, was Bollywood ausmacht: flotte Musik, aufwändige Tanzeinlagen, jede Menge Herzschmerz und Kitsch sowie satte 210 Minuten Laufzeit. Indien ist in. In puncto Musik, in puncto Mode, in puncto Film, siehe 'Monsoon Wedding' oder 'Der Super-Guru'. Gute Aussichten also für den umtriebigen Verleih Rapid Eye Movies, dem endlich ein solider Kassenerfolg zu wünschen ist. [BR][BR]Der Regisseur Karan Johar genießt in seiner Heimat Kultstatus. Sein 'Kuch kuch hota hai' - für Eingeweihte: 'KKHH' avancierte 1999 auf dem asiatischen Subkontinent zum Gassenfeger. Entsprechend hoch gesteckt waren die Erwartungen an Johars Nachfolgeprojekt 'Kabhi khushi kabhie gham...' ('K3G'), der mit angeblich rund zehn Millionen Dollar Budget bis dato teuersten indischen Filmproduktion aller Zeiten. [BR]Gedreht wurde 'Sometimes Happy Sometimes Sad', so der deutsche Verleihtitel, in Indien, Großbritannien und - für eine Traumsequenz - vor den Pyramiden Ägyptens, als Schauspieler verpflichtete man veritable Superstars. Darunter, für die reiferen Kinofans, Amitabh Bachchan und Jaya Bachchan, die beiden Neunziger-Jahre-Ikonen Shah Rukh Khan und Kajol Shomu Mukherji sowie, für die Kids, der indische Leo DiCaprio Hriithik Roshan und das sexy Energiebündel Kareena Kapoor, die in einer sehr witzigen Szene eine wunderbare Alicia-Silverstone-(in-'Clueless')-Parodie absolviert.[BR]Die Geschichte selbst ist Bollywood pur: Als Rahul, der ältere Sohn der Multimillionärs-Familie Raichand, sich der arrangierten Heirat widersetzt und die nicht standesgemäße Anjali ehelichen möchte, wird er vom despotischen Vater Yash verstoßen. Rahul zieht nach London und beginnt dort ein neues Leben, während seine Mutter am Verlust ihres (adoptierten!) Kindes zu zerbrechen droht. Also macht sich der jüngere Sohn Rohan, nachdem er die Schule abgeschlossen hat, auf, die Familie wieder zusammenzuführen. [BR]Ein Film, der im Inhalt das moderne Indien, ein Land - zerrissen zwischen Tradition und Fortschritt, widerspiegelt und dabei formal die Brücke nach Hollywood schlägt. Typische 'Drei-Wetter-Taft'-Werbebilder mischen sich mit klassisch lang(weilig)en Einstellungen, Hubschrauber-Rotorblätter werden auf wild wirbelnde Tänzerinnen geschnitten und dann singt der Bräutigam seiner Angebeteten wieder ein anrührendes Lied. [BR]Formal makellos und mit Hilfe wohl komponierter, farbenprächtiger Breitwandbilder gelingt Johar der Spagat zwischen MTV und Masala-Movies, wobei er seinen sechs vorzüglich choreografierten, teilweise sogar an Busby Berkeley erinnernden Musical-Nummern viel Platz einräumt. Besonders hier wird das schwungvoll-schmalzige Melodram geradezu schwerelos und man verzeiht ihm - als typisch westlicher Hochgeschwindigkeitsseher - die umständliche, allzu ausführlich entwickelte Story. [BR]Dafür gibt es aber in den dreieinhalb Stunden Spielzeit auch viel zu sehen - wunderschöne, edel ausgestattete Landsitze, chromblitzende Luxuskarossen, aparte, glutäugige Frauen und natürlich auch wohlgepflegte Rasen, auf denen dem Nationalsport Cricket und dabei der alten Rivalität England - Indien gefrönt wird. 'SHSS' ist Eskapismus pur, Kino in seiner reinsten Form und ein idealer Einstieg für Bollywood-Neulinge. geh.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Klassische Bollywood-Komödie über einen Sohn, der sich seinem Vater und den indischen Traditionen widersetzt.
Kurzbeschreibung
Die einst so glückliche Familie Raichand ist entzweit; der älteste Sohn Rahul widersetzt sich der für ihn arrangierten Heirat - er hat sich nämlich in die nicht standesgemäße, quirlige Anjali verliebt. Sein Vater verstößt ihn daraufhin, und Rahul beginnt mit Anjali ein neues Leben in London. Viele Jahre später hat die Mutter den Verlust ihres ältesten Sohnes noch immer nicht verwunden, und die Familie Raichard droht nun gänzlich auseinander zu brechen. Daraufhin macht sich der jüngere Sohn Rohan auf die Suche nach seinem großen Bruder, um die Familie wieder zu vereinen...