Kurzbeschreibung
Inspirierend, innovativ - faustisch: Die Krautrock-Helden lieben s schmutzig.Mit Faust meldet sich eine der dienstältesten deutschen Bands zurück. Aber was heißt zurück? In den vergangenen Jahren war die Gruppe um Jean-Hervé Peron und Zappi Diermaier sehr aktiv. Auf "Something Dirty" legen die beiden Krautrock-Pioniere zusammen mit James Johnston (Gallon Drunk, Nick Cave & the Bad Seeds) sowie der englischen Künstlerin und Musikerin Geraldine Swayne ein weiteres außergewöhnliches Album vor. Hier geht es sehr hypnotisch zu, repetetiv, melodisch, erhebend, psychedelisch, bedrohlich, dadaistisch, ätherisch.
Johnstons Gitarre sägt sich durch Diermaiers archaische Beats, harmonisch angereichert durch Perons wuchtigen Bass und Swaynes psychedelisches Tastenspiel. Immer wieder besinnen sich Faust auf ihre avantgardistischen Wurzeln und experimentieren mit Stimmen und ungewöhnlichen Instrumenten. Aber das Beste ist: Faust haben es auf "Something Dirty" tatsächlich geschafft, die rohe Energie und Ungeschliffenheit ihrer Liveauftritte im Studio zu reproduzieren. Eine atemberaubende Hörerfahrung!
"Es gibt keine mythischere Gruppe als Faust" (Julian Cope).
Schon immer schwankten Faust-Alben zwischen Bedeutungslosigkeit und -huberei. Man wusste nie, was noch Dilettantismus war und was bereits kunstvolle Vereinfachung. Auch diesmal. "Tell the Bitch to go home" etwa ist ein wild geprügelter instrumentaler Undergroundrocker, der um ein enervierendes Riff kreist wie der Macho um die renitente Schlampe, die nach dem ordentlich absolvierten Blowjob einfach nicht abhauen will. Ist das schon postfeministisch oder noch frauenfeindlich? Verkörpert das dumpfe Ressentiments, oder ist das schon wieder ironisch in seinem anscheinend ungebrochenen (oder gar doppelt gebrochenen) Ernst? So lärmt sich die Hamburger Krautrocklegende durch diverse Deutungsmöglichkeiten, sie wühlt im Pathos, Jean Hervé Peron bramabarsiert französische Textfetzen. "Herbststimmung" schraubt sich aus lyrischem Beginn hoch in eine epische Skulptur, als wollte es von Mogwai gecovert werden; "Lost the Signal" geriert sich als Psychoblues, der auch aufs erste Album von Ash Ra Tempel von 1971 gepasst hätte. Alles wirkt unbehauen, skizzenhaft, dreckig - und simuliert dabei unablässig eine postrockistische Größe, die Eindruck schinden will, ohne das man rausbekommt, ob wirklich etwas Großes dahintersteckt. Und wahrscheinlich will die Band das genauso haben. (mw)