Thomas D. von den Fantastischen Vier ist einer der bekanntesten und talentiertesten Rapper Deutschlands und von Anfang an zeichnete er bei den Fanta 4 für die eher nachdenklichen und philosophischen Tracks verantwortlich. Vielleicht, weil er als Teil dieser Popband (was die Vier nun mal definitiv sind) sich nicht in vollem Ausmaß so einbringen und verwirklichen konnte, wie er es gern wollte, kam er 1997 mit seinem ersten Soloalbum an die Öffentlichkeit, auf dem er eben überwiegend diese Art von Texten präsentierte. Nicht ausschließlich, wohlgemerkt, denn mit Titeln wie Killesberg Baby oder Pole Position werden auch Freunde von partytauglicher Musik bedient. Aber wie gesagt stehen die Philosophie und das Besinnen auf das eigene Ich im Vordergrund. Schwere Kost unterlegt mit knochentrockenen Beats, auf die Spitze getrieben bei den Stücken Weltenläufer und Lass los. Darauf will und kann sich nicht jeder einlassen und solche Musik braucht unter Umständen viel Zeit zur Gewöhnung. Auf seinem zweiten Soloalbum Lektionen in Demut von 2001 sollte sich dann nur noch diese Art von Rap finden. Hier wird das noch aufgelockert durch solch ungemein beschwingte Songs wie Thomas D. Is Ill und die (sehr poppigen) Singles Rückenwind und Frisör. Wobei letzterer doch eher langweilig ist, wie auch einige andere, vor allem Das einzige Prinzip, bei dem ich meist weiterschalte.
Und um noch einmal auf die Beats zurückzukommen: Auf diesem Album hat sich für jeden Song ein anderer namhafter Künstler als Produzent oder Gastrapper die Ehre gegeben, was zur Folge hat, dass jedes Lied anders klingt und so gibt es sowohl Poprock mit den Ärzten (Sie hacken auf mir rum) als auch astreinen Rock mit Thumb (Die Welt ist 1) oder psychedelische Klänge von den Prophets of Rage (Pilzköpfe).
Diese Platte kann man nebenbei hören und die vielschichtigen Sounds und Raps oberflächlich genießen, man kann aber auch (und das sollte man auf jeden Fall) dem Album seine volle Aufmerksamkeit widmen und versuchen, auch die schwierigen Songs zu durchschauen, auch wenn es dafür vielleicht mehrere Versuche braucht.
Auch ich hatte erst große Schwierigkeiten mit dieser Platte und habe sie erst nach und nach kennen und schätzen gelernt. Und auch heute gibt es, wie gesagt, einige Songs, die mir nicht gefallen und die mich beim Hören eher langweilen. Trotzdem:
Musik (nicht nur Rap) die sehr berührt und vom Hörer fordert, dass er sich Gedanken macht. Auch über sein eigenes Leben.
Empfehlenswert!
(Ich würde gern 4 1/2 Sterne geben, da das nicht möglich ist und ich mich entscheiden muss, werden es 5, da ich dieser Platte doch mehr positives abgewinnen kann als Punkte dagegen sprechen.)