Seit vielen Jahren läuft dieser Film immer wieder in den dritten Programmen, und immer dachte ich: DDR, interessiert mich nicht, 1979, jetzt irgendwie gerade nicht, etc.
Dann sah ich vor ca. 2 Wochen eine Art Werkschau über den deutschen Film der letzten 100 Jahre (der Titel hieß glaube ich "Auge um Auge", übrigens auch sehr zu empfehlen), in der prominente deutsche Filmschaffende wie Andreas Dresen, Christian Pätzold, Wim Wenders, Doris Dörrie etc. ihre Favoriten und Vorbilder vorstellten. Darin kamen drei Ausschnitte von "Solo Sunny" vor, und ich dachte, den muß ich sehen !
Heute lief er denn auch im TV.
Es ist ein absolut großartiger, herausragender Film, und ich schäme mich für meine Bedenken und Vorurteile.
Ich bin Wessie, vertraut mit Filmen unserer französischen, italienischen, skandinavischen, englischen Nachbarn. Dort findet man zu 80 % ein nonchalantes Miteineinander, in dem sich keine großen Verständnislücken auftun.
"Solo Sunny" dagegen ist eine Art Unikat, ein erschütterndes, rohes, erfrischendes, wunderschönes.
In seiner Direktheit, Konkretheit, Sinnlichkeit kann dieser schöne Film durchaus mit Faßbinders Werken mithalten.
Für mich fremd und eigen, fern und speziell: Die Sprache (der Jargon), der Gestus der Schauspieler, der Wechsel zwischen Melancholie und Witz, die Dramaturgie, die mal extrem vorwärts prescht und dann ist wieder nüscht gewesen.
Das Menschliche ist aber überall gleich:-) Das ist die große Stärke in diesem Film, der universal verstanden werden kann.
Der Film ist für mich nicht mal im Ansatz eine Komödie. Ich verfolgte atemlos, wie Sunny versucht, glücklich zu sein und dabei gegen innere und äußere Widerstände stößt. Sie ist nicht zu brechen als Person, fällt aber in eine große Depression.
Darüberhinaus beinhaltet der oberflächlich unpolitische Film so viele "Perlen", in den Dialogen z.B., und in den Bildern der Architektur, daß ich mir unbedingt die DVD anschaffen werde.