Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das jetzt einfach mal zugebe: Ich habe dieses Buch nicht zu Ende gelesen und werde es nicht zu Ende lesen. Ich würde es auch nicht tun, wenn ich es gekauft hätte. Nach 86 Seiten - und das ist ein Viertel des Buches habe ich einfach keinen Grund mehr, meine Zeit weiter zu verschwenden. Ein hundertjähriger, blinder (typisch für die Figur) erinnert sich - und alles was dabei herauskommt sind Banalitäten. Die große Liebe zur Musik endet in der Passivität, die große Liebe zur Chemie endet in der Passivität. Ulrich, so der Name des sich erinnernden, ist 86 Seiten lang ein Muster von langweiliger, banaler Passivität. Er gibt die Musik für den Vater auf und die Chemie für die Mutter, denkt nicht nach, bleibt blass, nichts. Kaum Emotionen (ausser in einigen Szenen aus Ulrichs Kindheit), keine Entwicklung, keine Spannung, einfach nur ein langweiliges Opfer. Eine flache Sprache, eine Story die hundertmal erzählt worden ist (das zerstörerische Jahrhundert, die Umbruchzeiten, die Grausamkeiten, die latente Bedrohung im Berlin der 20er), alles schon mal erzählt, vielfach und vielfach besser. 86 Seiten waren genug.