Endlich ist es soweit, möchte man als Michael Douglas Fan sagen, gibt es nochmal einen Film mit dem mittlerweile 66-jährigen Oscar-Gewinner, der richtig gut ist und in dem er mal wieder beweisen kann, was für ein exzellenter Akteur er ist. Das "Solitary Man" eine Kinoverwertung in Deutschland verwehrt blieb, ist eine kleine Schande, aber auch kein Einzelfall, da bereis viele andere echte Qualitätsfilme wie "Two Lovers", "Adventureland", "The Damned United" oder "Defendor" 2010 das gleiche Schicksal erlitten.
"Solitary Man" ist ein kleiner Film der leisen Töne für Erwachsene, der in seine recht knappe Laufzeit von nur 87 Minuten so viel Lebensweisheit und Verstand packt wie kaum ein anderer Film dieses Jahr. Getragen wird der Streifen von einem herausragenden Michael Douglas, der hier in einer echten Paraderolle glänzen darf. Es ist ein Genuss ihm zuzusehen und eine Erinnerung, dass gute Filme eben oft nicht mehr brauchen als einen tollen Darsteller und ein starkes Drehbuch mit scharfzüngigen Dialogen und feiner Charakterzeichnung. Dieses hat Brian Koppelman verfasst, der hier bereits zum zweiten Mal nach "Knockaround Guys" mit seinem Autorenpartner David Levien Regie führt.
Die Rolle des etwas schmierigen, arroganten und aalglatten Womanizers und Übermannes hat Michael Douglas in den 80ern und 90ern wohl mit Filmen wie "Eine verhängnisvolle Affäre", "Wall Street", "Black Rain", "Basic Instinct" und so weiter und so fort geprägt wie kein zweiter. Seit seiner fantastischen Leistung in Curtis Hansons "Wonder Boys" hat Douglas leider in einer Reihe von eher enttäuschen Filmen mitgespielt, doch mit "Solitary Man" und auch der Fortsetzung zu "Wall Street" gelingt ihm ein kleines Comeback.
Es ist eine große Freude zu sehen, wie Douglas in diesem Film sein altes Image wieder aufnimmt und einen Lebemann gibt, der es einfach ablehnt, zu altern und so lebt, als sei er noch 30. Es ist eine Rolle, in der viel Ehrlichkeit steckt und es gibt sicher Momente in "Solitary Man", die manche Zuschauer abschrecken mag, da Douglas Charakter Ben Kalmen ein echter Schürzenjäger ist, der sich besonders bedeutend jüngeren Frauen zugeneigt fühlt. Es handel sich um eine Figur, mit der man sich nicht gerade ohne weiteres identifizieren kann, doch Douglas gibt der Rolle so viel Menschlichkeit, Nuanciertheit und Charme, das man doch irgendwie gerne mit ihm geht.
Kalmen ist ein Erfolgstyp, ein ehemals supererfolgreicher Autohändler, dessen Risikofreudigkeit und Schwäche für jüngere Frauen ihm nun langsam zum Verhängnis wird und er es sich mit seinem ganzen persönlichen Umfeld verscherzt.
"Solitary Man" hat viele witzige, aber auch ernsthafte Momente, die schön ausbalanciert werden. Der Film ist voller Menschlichkeit und man muss es den Machern zugute halten, dass sie hier keine typische Erlösungsgeschichte spinnen und immer ehrlich bleiben. Zudem gehen sie manche Risiken ein und weichen einem zu konventionellen Weg geschickt aus. Das Highlight ist aber Michael Douglas, der hier eine der besten Darstellungen seiner Karriere gibt und zudem von einem feinen Ensemble, dem u.a. Susan Sarandon, Danny DeVito, Mary-Louise Parker, Jenna Fischer, Imogen Poots und Jesse Eisenberg angehören, unterstützt wird.