Solino ist ein sehr sehenswerter Film von Fatih Akin, der in der Zeit der sechziger Jahre spielt, als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Die Familie Amato macht sich auf den Weg von Italien (sie kommen aus dem Dorf Solino) nach Deutschland und zwar nach Duisburg. In Deutschland soll alles besser sein. Aber schon die Lebensumstände sind ganz anders: Deutschland ist kalt, die Wohnung ist im Arbeiterviertel und entsprechend klein und herunter gekommen, Obst wie in Italien gibt es nicht u.s.w. Gerade hier lohnt es sich den Film auf Italienisch zu sehen, weil viele Szenen sonst in Ihrer Bedeutung gar nicht rüber kommen. Die Hilflosigkeit der Eltern, weil sie die Sprache nicht verstehen und beim Restaurantkauf über's Ohr gehauen werden, wird sonst gar nicht deutlich.
Die Kinder Gigi und Giancarlo dagegen haben weniger Schwierigkeiten, mit der Sprache, insbesondere Gigi der jüngste Sohn. Nachdem der Vater zuerst unter Tage arbeitet, aber damit nicht klar kommt, eröffnet die Familie das erste italienische Restaurant, benannt nach dem Heimatdorf "Solino", in Duisburg.
Sehr intensiv kommen die einzelnen Charaktere rüber: Gigi, (als Erwachsener gespielt von Barnaby Metschurat) der durch eine Begegnung mit dem Film, nur noch davon träumt ein berühmter Regisseur zu werden und dabei in jungen Jahren alles andere "vergisst". Moritz Bleibtreu als erwachsener Giancarlo, der immer ein bischen im Abseits steht und durch seine rebellische Haltung und das Agieren am Rande der Legalität versucht Stärke zu zeigen und somit seinen Neid auf seinen kleinen Bruder, der immer begünstigt wurde, versucht zu unterdrücken. Die Mutter, die sich immer für die Familie aufopfert und an der Kälte des Mannes und der neuen Heimat erkrankt und erst bei der Rückkehr in ihre Heimat wieder zu neuem Leben erwacht. Der Vater, der erst am Ende sieht, was er durch seine Untreue und Profitgier verloren hat, nämlich die Familie, aber zu stolz ist, um sich dies einzugestehen.
Sehr oft kann man laut loslachen, insbesondere bei der Riesen-Rasta-Matte im Stil der 70er Jahre, die Moritz Bleibtreu auf dem Kopf trägt oder bei der Szene, wo Gigi (der dann aufgrund von Intrigen seines Bruders wieder in Italien lebt) versucht, wieder Italienisch zu lernen und Probleme in der Aussprache hat.
Alles in allem ein sehr sehenswerter Film. Ab der Mitte des Filmes wird übrigens nicht mehr Italienisch, sondern Deutsch gesprochen. Also ruhig mal im Originalton ausprobieren.