Ich glaube Rorty würde sich ärgern, wenn man sein Denken als "pragmatischen Relativismus" etikettieren würde. Es soll gewiß kein Relativismus sein, da man sich dann ohne Gewissensbisse auf die eignen relativen Wahrheiten zurückziehen könnte. Der Punkt ist vielmehr, dass Rorty jede Wahrheit als Autorität, die Grundlagen und Bedingungen des menschlichen Zusammenlebens von außen vorschreiben will (also Gott, die Natur oder sonstige Sachzwänge) für nicht die beste Variante hält. Wahrheit - von der er in gesellschaftstheoretischen Zusammenhängen am liebsten gar nicht sprechen will - soll vielmehr auf die gut begründeten Meinungen meiner vielen Mitmenschen zurückgeführt werden, so dass dennoch immer die Möglichkeit zur Korrektur der eigenen Wahrheit und damit der eigenen Lebensweise besteht. Objektivität sieht er also nicht als von außen diktierte Wahrheit, die der Mensch entdeckt, sondern möchte diese Beschreibung durch die Solidarität ersetzen, die die Menschen dazu bringt, gemeinsam für alle eine immer bessere Wahrheit und damit ständig fortschrittliche, bessere Lebensweise zu finden. Sicher gibt es bei diesem Ansatz auch Probleme, aber es ist eine bemerkenswerte Alternative und ein interessanter Denkansatz.