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Was auch immer guter Jazz ist, der Sex Mob hat ihn: Am Ohr der Zeit, auch der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, haben die vier nervösen Klangexperten diverse ältere Pop-Charts aufgeblättert und Hits aufgetan, aus denen sich neue Hülsen für neue schräge Töne zimmern ließen. Wo auch immer die Vokabel von der New Yorker Avantgarde auftaucht, irgendwo haben diese humorigen Vier ihre Finger drin. Steven Bernstein ist mit seiner Slide-Trumpet, einem recht seltsamen Zwitter aus Posaune und Trompete, per natura schon ein Eklektizist. Saxman Briggan Krauss liefert grundsätzlich schräge Momente, aber immer genial konform zu Bernstein. Das funktioniert natürlich nur, wenn perkussive Elemente klappen. Und dafür bedient Kenny Wollesen auch mal eine Bierflasche. Bass und akustische Gitarre zupft Tony Scherr und diverse Gäste steuern weitere Sounds hinzu. Toll greift das Prinzip: Wir blechern mal was zu den Stones, kupfern James Browns "Please, Please, Please", sezieren Abba und Ellington. Und das alles gleichermaßen. Ohne Wertung, vor wem auch. Das Material, auch das eigene, taugt zu einem herrlichen musikalischen Irrsinn, den man nicht festzurren mag. Man lasse sich überraschen und nehme sich ein Wochenende frei für dieses unverfrorene Album.
--Uli Lemke