Schade - ich hätte mir als Abschluss der Marseille-Trilogie ein stärkeres Buch gewünscht. Im direkten Vergleich mit den beiden ersten Büchern "Total Cheops" und "Chourmo" schneidet "Solea" deutlich schlechter ab. Der Protagonist Fabio Montale - ein Ex-Flic der Millionenstadt Marseille - lebt mittlerweile in den Tag hinein und man gewinnt den Eindruck, dass er kurz vor dem Siechtum steht. Er hängt neben den Alkoholexzessen seinen Tagträumen und alten Zeiten nach. Die melancholischen Charakterzüge, die in den beiden ersten Bänden den Fabio Montale eigentlich erst symphatisch machten, fangen nun an, den Leser zu nerven, da sie den Boden der Realität verlassen haben. Dieser degenerierte Protagonist stolpert nun aus Versehen in die Machenschaften der Mafia. Einer Mafia jedoch, die sehr wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern vielmehr in die Klischees von Mario Puzzo passen würde. Selbstverständlich pflastern Leichen Fabio Montales Weg. Obendrein gibt es dann noch eine ermittelnde Kommissarin, die dem weltfernen und melancholisch über das Meer hinweg nach Nordafrika blickenden Montale in nichts nachsteht und sich auch noch in diesen Antihelden zu verlieben scheint. Dies alles ist vielleicht etwas zu platt aufgetragen. Der Bogen in der Beschreibung des ausgeprägten Charakters von Fabio Montale ist deutlich überspannt. Die übrigen Charaktere sind zu oberflächlich dargestellt - ebenso die Story, die keinen Bezug mehr zu Realität hat, sondern bestenfalls eine Comic-Mafia beschreibt.
Jean-Claude Izzo wäre sicher besser beraten gewesen, seine Reihe über Fabio Montale bereits nach "Chourmo" zu beenden.
Dennoch ist "Solea" im Vergleich mit anderen Charakterkrimis noch im oberen Drittel zu finden - deshalb immer noch drei Sterne.