Da ist es nun also, kaum "wartet" man zehn Jahre, schon gibt es ein neues Album von Sade. Erinnert mich ein wenig an die Abstinenz einer Loreena McKennitt.
Egal - Sades neues Album wurde von mir heiß erwartet, schon im November, nach dem ersten Lesen der News über das neue Album, konnte ich es kaum fassen, dass was neues kommt. Da erwartet man natürlich einiges.
Nach der Single "Soldier of love", die anfangs für mich zu monoton "stampfig" wirkte, sich aber zu einem stetigen Dauerbrenner bei mir entwickelt hat, wurde die Vorfreude immer größer. Nach den ersten Soundschnipseln im Netz wusste ich, dass das Album im "Lovers rock"-Stil gehalten wurde und das wurde nun auch bestätigt.
Es gibt typische, entspannte Soul-Grooves wie in "The moon and the sky" mit ein paar modernen Effekten oder im totalen "Lovers rock"-Stil gehaltenen "Skin", etwas schnellere, funkigere Songs wie der Titeltrack mit Marschrhythmus und einprägsamer Hookline oder "Bring me home", soulige Bluesballaden "Be that easy" und "In another time" mit leichten folkigen Anleihen und ein paar Reggae-Anleihen wie in "Babyfather", dem einzigen Track, der mir mich so gar nicht sonderlich "toucht", und sehr ruhige Balladen mit nur wenig instrumentaler Begleitung wie "Safest place".
Das "große Ganze" ist durchgehend leicht chillig, toll instrumentiert der Stammbesetzung mit hinzukommenden wundervollen Streichern, Trompeten, akustischen Gitarren und auch einmal Saxophon in "In Another time", das ich gerne öfter und länger hätte hören wollen. Hinzukommend die samtweiche Stimme von Sade und ihren Backing Vocals, wie Tony Momrelle, der u.a. mit Incognito zusammengearbeitet hat, die sehr harmonisch zusammenwirken und dem Ganzen den typischen Sade-Charme verleihen und sich vom Einheitsbrei abheben.
Insgesamt kann das Album als Gesamtwerk für echt gelungen angesehen werden, es gibt typischen Sade-Sound, den ich mir gewünscht habe, wenig Neuerungen und schöne entspannte Musik zum Chillen.
Doch "Euphorie für den Stillstand" (zitiere A.Demian)?! -
Ich sage ja und nein, denn einerseits finde ich das Album wegen seiner Durchgängigkeit klasse, doch fehlt mir etwas Besonderes, das ich vor allem auf "Love Deluxe" damals in den 90ern so gespürt hab und schon bei "Lovers rock" etwas vermisst habe: Besonderheiten, Abwechslungsreichtum und einfach dieses "WOW-Gefühl". Songs wie "Smooth operator", "Someboy already broke my heart" und vor allem "Love deluxe"-Songs wie "No ordinary love", "Feel no pain", "Like a tattoo", "Mermaid" oder "Bullet proof soul" waren als einzelne Kunstwerke in Songform verpackt. Das fehlt hier etwas. Es gibt alles aus einem Guss, aber keine herausragenden Besonderheiten. Als gesamtes Album könnte man es als kleines Kunstwerk bezeichnen (das Cover ist ein ganz großes, echt wunderschön!), das "nur" im Ganzen wirkt.
Außerdem ist dieses Album wieder mal viel zu kurz, da gibt es zwei fünf Minuten Songs und auch Songs, die kaum die drei Minuten erreichen. Songs wie "Be that easy" oder "Safest place" sind einfach viel zu kurz und brechen ab, wenn's grad schön ist. Das ist mir dann doch zu wenig, um fünf Punkte zu vergeben.
Welcome back, Sade. Ein schönes Comeback, nicht mehr und nicht weniger. Ein durchaus konstant gutes Werk einer beständigen Künstlerin mit Klasse, Stil und Eleganz, wodurch sie sich von vielen modernen Mainstream-Alben unterscheidet.
Anspieltipps: "The moon and the sky", "Soldier of love", "Skin" und "In another time".