Süddeutsche Zeitung, 11.09.02
"Soldaten von Salamis" ist der Roman einer Recherche mit den Mitteln des Journalismus und der Philologie, oder - anders gewendet - die Recherche eines Romans, der sich als journalistische Reportage tarnt und das fiktive Protokoll seiner mit allen Wassern der Text und Überlieferungskritik gewaschenen Nachforschungen im Dickicht von Spaniens verdrängter Vergangenheit zur meisterhaften Erzählung gestaltet. Sie fließt aus leichter Hand und setzt doch ganz auf die geschilderte Obsession des Erzählers."
Zeit Literatur (Messebeilage), 02.10.02
"Cercas' Sprache ist unprätentiös, schnörkelfrei, im kühlen Ton des Reportierenden gehalten. (...) Die doppelbödige Archälogie der "Soldaten von Salamis" ist eigensinnig, lehrrreich, vor allem spannend." (...)Am Schluß "hat die ,Erzählung nach der Wirklichkeit' erreicht, was sie sich vorgenommen hatte: Sie entschuldet das Individuum, indem sie es dem Vergessen entreißt. Im Tanz, im Reich des Ästhetischen, in der Kunst sind die Feinde (...) Verbündete, sind die politischen Gegensätze aufgehoben. Das ist Pathos, zartes, unangestrengtes, gewagtes utopisches. Ein großes Buch."
Tages-Anzeiger, 20.11.02
"Munter, mit kalkuliertem Draufgängertum entwickelt der Autor seine Geschichte als Gratwanderung zwischen historisch gesicherten Tatsachen und Erfindungen. Wobei Letztere so gut in den recherchierten Rahmen passen, weil sie nur ausmalen, variieren, vor allem aber intensivieren, was im Grossen an- und festgelegt ist; dass der Glaubwürdigkeit, auf die es in dieser Art von Prosa ankommt, nichts Ungebührliches zugemutet wird. Die zuerst erkannte, dann betrogene oder zuerst betrogene, dann erkannte Realität rund um eine abenteuerliche Anekdote verhilft dem Roman zu Glanz und verleiht ihm eine Aura, die das Zeitgebundene überstrahlt."
Kurzbeschreibung
Ein junger Journalist, der nach dem kläglich gescheiterten Versuch, eine Schriftstellerkarriere zu beginnen, seine Arbeit in einer Zeitungsredaktion wieder aufgenommen hat, stößt über ein Interview auf eine wenig bekannte Anekdote aus den letzten Tagen des spanischen Bürgerkrieges: Rafael Sßnchez Mazas, Mitbegründer und Chefideologe der spanischen Falange, war zusammen mit weiteren wichtigen Parteigängern Francos einer Einheit regierungstreuer Truppen der Republik in die Hände gefallen. Obwohl sich diese geschlagen auf dem Rückzug befinden und kurz davor stehen, die Flucht über die französische Grenze anzutreten, ergeht der Befehl, die gefangenen Falangisten hinzurichten. Wie durch ein Wunder gelingt es Sßnchez Mazas nicht nur, im Moment der Erschießung zu entkommen - als er kurz darauf im Wald von einem seiner Verfolger gestellt wird, legt dieser auf ihn an, dreht sich aber dann unversehens um und geht davon. Im Zuge seiner Recherchen macht der Journalist mehrere Zeitzeugen ausfindig, die ihm Auskunft über die dramatischen Umstände jener weit zurückliegenden Ereignisse geben. Nur der rätselhafte Soldat, der Sßnchez Mazas laufen ließ, bleibt unauffindbar - bis die Suche eine unerwartete Wendung nimmt ... Mit beneidenswerter Leichtigkeit und souveräner Ironie erzählt Javier Cercas seine einfache Geschichte, die schwer zu verstehen ist. Vor dem unverändert traumatischen Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges demonstriert er auf stupende Weise, dass historische Ereignisse erst durch die Literatur zu wahren Geschichten werden. In Spanien scheint Cercas damit einen Nerv getroffen zu haben: Sein Roman wurde zu einem sensationellen Erfolg, stand monatelang an der Spitze der Bestsellerlisten und verkaufte sich über einhunderttausend Mal. Er wird zur Zeit verfilmt und in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt.
Über den Autor
Javier Cercas wurde 1962 in Ibahernando in der spanischen Extremadura geboren. Er lebt als Schriftsteller, Publizist und Universitätsdozent in Gerona. Neben literaturwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er bislang einen Band Erzählungen und die beiden von der Kritik sehr gelobten Romane El móvil und El vientre de la ballena. Der Durchbruch auch beim großen Publikum gelang ihm im vergangenen Jahr mit der Publikation des Romans Soldaten von Salamis, der kurz nach Erscheinen mit dem Preis des katalanischen Buchhändlerverbandes und im Februar 2002 mit dem Premio Ciutat de Barcelona sowie dem von einer Schriftstellerjury vergebenen Premio Salambó ausgezeichnet wurde.