Die Kernels des originalen UNIX sind recht gut dokumentiert, z.B. durch Goodheart und Cox für System V oder durch McKusick et.al. für BSD. Über moderne kommerzielle UNIX-Kernels findet sich nur wenig konsolidierte Literatur in Buchform. Dieses Buch von Mauro und McDougall ist eine erfreuliche Ausnahme für Sun Solaris.
Von den elementaren Kernel-Bausteinen wie Threads, Scheduling und Memory-Management bis zu Interna von Kernel-Services wie System-Calls und Interrupts plus ihrer Umsetzung in UltraSPARC-Hardware findet sich alles, was der systemnahe Programmierer wissen möchte - und mehr. Die Kapitel zu Memory-Architektur, Synchronisation, Prozess-Architektur und IPC sind auch für Entwickler komplexer Anwendungssoftware sehr wertvoll.
Die Ausgabe von 2001 behandelt die Solaris-Kernels bis inklusive Version 7. Die teilweise kleinen, teilweise aber auch wesentlichen Änderungen zu den modernen Versionen 8 und 9 (z.B. 1:1-Threading-Modell!) werden nicht behandelt. Außerdem fehlen moderne Prozessoren ab UltraSPARC-III. Die Autoren verweisen hierzu auf ihre Webseite www.solarisinternals.com, dennoch wäre ein aktualisierte Ausgabe wünschenswert.
Das Buch ist sehr reich an Hintergrund-Informationen und technischen Details. Jim Mauro und Richard McDougall sind etablierte Experten in Sun-Technologie. Sowohl das Themengebiet als auch die umfassende Darstellung machen es zu einer anspruchsvollen Lektüre. Dennoch ist es durch eine klare und deutliche englische Sprache gut verständlich.
Fazit: "Solaris Interals" ist nicht nur für Programmierer von Gerätetreibern oder anderem Kernel-Code, sondern auch für Entwickler von leistungskritischer, für Solaris optimierter, Anwendungssoftware sehr empfehlenswert.
Dr. Alexander Ebbes
GIP Research Institute