Audiobook-Rezensionen
Ziemlich schnell ist Arthur von dem absolut Unglaubwürdigen überzeugt: Die Frau, die in seinem Badeschrank sitzt, ist nur ihr Geist. Sie ist ein Phantom! Ihr Körper liegt nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus. Unbegreiflicherweise scheinen ihr Geist und ihr Körper getrennt zu sein, und, was noch irritierender ist, Arthur ist der einzige Mensch, der mit ihr Kontakt aufnehmen kann. Er lässt sich auf sie ein, recherchiert tiefschürfend die Koma-Problematik, erlebt mit Lauren, die immer an seiner Seite ist komische, manchmal peinliche Situationen. Und er verliebt sich in sie! Während seine Umwelt um seinen Geisteszustand fürchtet, ist er immer fester davon überzeugt, dass die Hirntote eines Tages wieder aufwachen wird. Als die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden sollen, handelt er und entführt mit Hilfe seines Freundes den Körper Laurens in das Haus seiner verstorbenen Mutter.
Der Debüt-Roman von Marc Levy erschien fast gleichzeitig in 28 Ländern. Steven Spielberg hat die Filmrechte für zwei Millionen Dollar erworben. Er wollte - so der Autor - seinem kleinen Sohn "die Geschichte eines Mannes erzählen, der sich in den Inhalt eines Menschen und nicht in seine Verpackung verliebt."
Geschickt lotet das Hörspiel mit der Musik von Günther Kasper und Rolf Simons die Balance zwischen Komik und Schwere, zwischen Witz und Poesie aus. Siemen Rühaak und Katharina Palm erwecken mit bemerkenswerter Leichtigkeit diese Parabel über das Wunderbare zum Leben. Dieses Wunderbare, das passieren kann, wenn man das Unmögliche annimmt! Hörspiel, Spieldauer: ca. 59 Minuten, 1 CD. Mit Booklet.
-- culture.text
TV Movie, Dezember 2002
Aachener Nachrichten, 16. Juli 2002
Radio Eins, April 2002
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Solange du da bist von Marc Levy, Amelie Thoma. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der kleine Wecker klingelte. Es war fünf Uhr dreißig, und die Morgendämmerung von San Francisco tauchte das Zimmer in ein einzigartiges goldenes Licht.
Lauren schlief tief unter den Decken vergraben in ihrem großen Bett, die Hündin Kali lag ausgestreckt auf dem Teppich am Fußende.
Das erste, was an Laurens Wohnung auffiel, war ihre anheimelnde Atmosphäre. Im obersten Stockwerk eines viktorianischen Hauses an der Green Street gelegen, bestand sie aus einem typisch amerikanischen Wohnraum mit abgeteilter Küche, einem Ankleideraum, einem großen Schlafzimmer und einem geräumigen Bad mit Fenster. Die hellen, schmalen Dielen des Fußbodens waren im Bad weiß gestrichen und mit schwarzen Karos übermalt. Bei den Kunsthändlern der Union Street erstandene alte Zeichnungen schmückten die weißen Wände; um die Decke lief ein kunstvoll geschnitzter Blattfries, den Lauren in einem leichten Karamellton hervorgehoben hatte.
Ein paar mit sandfarbener Jute eingefaßte Kokosteppiche trennten Wohnzimmer, Eß- und Kaminecke voneinander ab. Vor dem Kamin lud ein dickes, mit grobem Kattun bezogenes Sofa dazu ein, sich hineinfallen zu lassen. Auf den sparsam über den Raum verteilten Möbeln standen hier und da auffallend hübsche Lampen mit plissierten Schirmen, die Lauren im Laufe der vergangenen drei Jahre nach und nach erworben hatte.
Die Nacht war sehr kurz gewesen. Lauren arbeitete als Assistenzärztin im San Francisco Memorial Hospital, und am Vortag hatte sich ihre Schicht weit über die üblichen vierundzwanzig Stunden hinaus verlängert, als noch spät die Opfer eines Großbrandes eingeliefert wurden. Zehn Minuten vor der Ablösung waren die ersten Krankenwagen in der Notaufnahme angekommen, und unter den verzweifelten Blicken ihres Teams hatte sich Lauren ohne Zögern daran gemacht, die ersten Verletzten auf die verschiedenen Aufnahme- und OP-Bereiche zu verteilen. Mit schlafwandlerischer Sicherheit untersuchte sie jeden Patienten in wenigen Minuten, wies ihm ein farbiges Etikett zu, das die Schwere seiner Verletzungen anzeigte, notierte eine vorläufige Diagnose, bestimmte die ersten Untersuchungen und schickte die Sanitäter in den entsprechenden Raum. Um Punkt null Uhr dreißig waren alle sechzehn eingelieferten Personen aufgenommen, und die Chirurgen, die man zusammengerufen hatte, konnten eine Viertelstunde später mit den ersten Operationen dieser langen Nacht beginnen.
Lauren hatte Doktor Fernstein bei seinen beiden ersten Eingriffen assistiert, und sie verabschiedete
sich erst, als der Arzt darauf bestand. Bei ihrer Übermüdung, so meinte er, würde sie nur seine Patienten in Gefahr bringen.
Mitten in der Nacht verließ sie am Steuer ihres Triumph den Parkplatz des Krankenhauses und fuhr schnell durch die menschenleeren Straßen nach Hause. "Ich bin zu müde, und ich fahre zu schnell", wiederholte sie sich von Minute zu Minute, um nicht einzuschlafen, aber die Vorstellung, wieder in die Notaufnahme zurück zu müssen, diesmal übers Foyer statt über den Bühneneingang, genügte, um sie wachzuhalten.
Sie öffnete die ferngesteuerte Garagentür und parkte ihren alten Wagen. Durch den Gang gelangte sie zur Haupttreppe, nahm immer zwei Stufen auf einmal und betrat endlich erleichtert ihre Wohnung.
Die Zeiger der Pendeluhr auf dem Kaminsims standen auf halb zwei. Lauren ließ ihre Kleider mitten im Zimmer auf den Boden fallen. Gänzlich nackt trat sie hinter die Küchentheke, um sich einen Kräutertee zu machen. Die im Regal aufgereihten Gläser enthielten alle möglichen Sorten, als hätte jeder Augenblick des Tages seinen eigenen Teeduft. Sie stellte ihre Tasse auf den Nachttisch, schlüpfte in das bereitliegende Nachthemd, kuschelte sich unter die Bettdecke und schlief sofort ein. Der vergangene Tag war viel zu lang gewesen, und der kommende sollte sie früh auf den Beinen sehen.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.