Das ist es - mein absolutes Highlight im Herbst 2003!
Man schlägt das Buch auf und ist mitten drin im viktorianischen England. Das neblige London, Betrüger, Dreck, Waisen... ich sah schon Scrooge über die Straße gehen. Tatsächlich ist man mitten drin im Dickens-Land und in dem mehr als 600 Seiten starken Roman bekommt man doch so manche Überraschung geboten.
Ersteinmal die Geschichte. Am Anfang ahnt man nichts Böses. Susan Trinder wächst im Waisenhaus von Mrs. Sucksby auf und ist gehüteter Augapfel. Mit 15 verbündetet sie sich mit einem Freund der Sucksbys, den Susan einfach nur Gentleman nennt . Die beiden planen ein Komplott. Genleman will die reiche Erbin Maud Lilly heiraten, die bei ihrem seltsamen Großvater in einem alten Haus Schreibarbeiten verrichtet und Susan soll als ihre Zofe die Weichen dafür stellen. Bis dahin genießt man die schöne Atmosphäre, die ausgefeilten Dialoge, die Charaktere, um dann auf S. 196 wie erstarrt das Buch anzuschauen. Ich hab ja schon viel gelesen, aber diese Wendung war absolut wahnsinnig, unvorbereitet, genial. Auch später dreht sich die Handlung ein paar mal unvorbereitet.
Hinzu kommt der grandiose Schreibstil der Autorin. Ihr Erzählstil ist zwar manchmal ausufernd, aber niemals langweilig. Sie vermag so extrem Gefühle und Atmosphäre zu offenbaren, das es eine Freude ist dieses Buch zu lesen. Das Buch wurde 2002 in England für den Booker Preis nominiert - einer der angesehendesten Literaturpreise der Welt. Wer dieses wunderbare Buch liest, weiß warum.