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Sokolows Universum
 
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Sokolows Universum [Taschenbuch]

Leon de Winter , Sibylle Mulot
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein Straßenkehrer in Tel Aviv wird Zeuge eines Mordes. Der Mann zweifelt an seinem Verstand, denn er glaubt, in dem Mörder einen alten Freund erkannt zu haben. Und dies würde in der Tat alle Regeln der Wahrscheinlichkeit außer Kraft setzen. Denn Sascha Sokolow ist kein gewöhnlicher Straßenkehrer. Noch vor kurzem war der emigrierte Russe einer der angesehensten Raumfahrtforscher seines Landes.

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Sascha Sokolow ist Straßenkehrer in Tel Aviv. Als er am Sonntagvormittag mit der gründlichen Reinigung seiner Straße beschäftigt ist, hat er eigentlich genug damit zu tun, den schweren Kopf vom Vorabend zu ignorieren, aber zwei Flaschen Wodka pro Tag waren sein normales Pensum, seit er vor einigen Jahren aus der Sowjetunion nach Israel ausgewandert ist. Er traut seinen Augen kaum, als auf offener Straße ein Mann erschossen wird. Wie gebannt bleibt er stehen. Der Mörder kommt auf ihn zu und Sokolow meint, seinen alten Schulfreund Ljowka aus der Zeit, als er noch in der Sowjetunion gelebt und gearbeitet hat, wiederzuerkennen. Sokolow ist Jude und hat als angesehener Forscher in der russischen Raumfahrtindustrie gearbeitet, doch als sein Projekt, die erste bemannte Rakete ins All zu schießen, kläglich scheiterte, weil alle Insassen verbrannten, war seine Karriere in Russland schlagartig beendet. In Israel schlägt er sich mühsam durch. Immer wieder grübelt er über den schrecklichen Unfall, der ihm angelastet wurde, ohne daß er sich bis heute einer Schuld bewusst ist. Damals schon hat er mit Ljowka zusammengearbeitet und immer mehr zweifelt er an dessen Redlichkeit. In Sokolows Universum erreicht der Niederländer Leon de Winter einen literarischen Höhepunkt in seinem Schaffen. Hintergrund seiner Geschichte ist der beginnende Golfkrieg und mit diesen politischen Geschehnissen verflicht er die Zerrissenheit des modernen Naturwissenschaftlers und, das hat in keinem von seinen Romanen bislang gefehlt, die Auseinandersetzung mit dem Judentum. --Manuela Haselberger

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Warum Sokolow, in Russland einst ein angesehener Raumfahrtforscher, nun in Tel Aviv zum Straßenkehrer avanciert war, konnte er selber nicht mehr so genau nachvollziehen. Vieles spielte hier eine Rolle. Da war erstmal die Explosion der Rakete, an der er gearbeitet hatte, und die darauffolgende Verbannung -- und der Tod seiner Mutter, deren Wunsch es war, dass er einst zurück zu den jüdischen Wurzeln zurück sollte, die sie so gut zu verbergen wusste.

Nun war er jedenfalls hier gelandet -- in der Gosse, war Alkoholiker, und war in diesem Land ohne Perspektive. Da passiert an diesem heißen Sommertag ein Mord, in der Straße, die er kehrt. Und der Täter hat eine große Ähnlichkeit mit seinem alten Freund Lew, mit dem er schon gemeinsam in Russland an der Rakete gearbeitet hatte, sein alter Freund, von dem er schon so lange nichts mehr gehört hatte. Doch das konnte gar nicht sein, er hatte wohl zu viel Wodka getrunken.

Nach der Vernehmung durch die Polizei, dem endgültigen Verlust dieses Traumjobs und der Begegnung mit Tanja, einer Immigrantin die gerade in die Wohnung nebenan gezogen war, verlor Sokolow sich erstmal für ein paar Tage im Wodka-Delirium. Aus dem ihm ausgerechnet Lew, sein alter Freund, heraushalf. Lew, der ihn zufällig jetzt gesucht hatte, der schon seit einiger Zeit in Israel tätig war, jetzt eine Firma gründen wollte und dafür ihn, Sokolow, brauchte. Lew schwimmt geradezu in Geld -- gut, nicht alles ganz koscher, nicht ganz legal. Aber wenn Sokolow aus der Gosse raus will, sollte er vielleicht anfangen, seine Moralvorstellungen nicht mehr ganz so eng zu stecken.

Man kann dieses Buch als einen ganz normalen Krimi lesen -- und dabei sicher sein, eine gute Wahl getroffen zu haben. Denn Leon de Winter erzählt amüsant, spannend und glaubwürdig von einem unwahrscheinlichen Mord vor dem Hintergrund des heutigen Israels, kurz vor dem Ausbruch des Golfkrieges. Doch hier geht es um mehr, hier spielt vor allem auch die Freundschaft eine große Rolle. Für Sokolow war die Sache klar: Lew war sein bester Freund, für den er bedingungslos einstehen würde. Und der das auch umgekehrt tun würde. Die Sprünge und Risse in dieser Freundschaft kommen nach und nach zum Vorschein, wenn Sokolow sich in seinem Wodkaträumen an die Vergangenheit erinnert; langsam tauchen erste Zweifel an Lews Unschuld an der Explosion der Rakete auf, die damals zu Sokolows Karriereknick geführt hatte. Auch zuvor gab es die eine oder andere Begegnung, die einen leichten Schatten auf diese strahlend helle Freundschaft warf. Und nicht zuletzt ist es ein Roman über Israel, die Probleme der Immigranten, und über de Winters immer wiederkehrendes Thema: den Konflikt zwischen Strenggläubigkeit und Juden, die diesen Namen nur der Abstammung nach führen.

Klasse zu lesen, viele Punkte, über die es sich lohnt nachzudenken, hervorragende Milieubeschreibungen; kurz und gut: ein Buch ganz nach meinem Geschmack! --Daniela Ecker -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Autorenporträt

Leon de Winter wurde 1954 in 's-Hertogenbosch als Sohn niederländischer Juden geboren und begann als Teenager, nach dem Tod seines Vaters, zu schreiben. Er arbeitet seit 1976 als freier Schriftsteller und Filmemacher in Holland und den Vereinigten Staaten. Einige seiner Romane wurden für Kino und Fernsehen verfilmt, so z.B. "Der Himmel von Hollywood" unter der Regie von Sönke Wortmann.
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