Oh je, wenn ich doch gewusst hätte... ...ich hätte es nicht gekauft und hätte nicht so sehr viel verpasst!
Ich habe mir das Buch bereits vor längerer Zeit gekauft, da konnte ich weder "inside searchen" noch gab es eine Rezension, die mir einen Wink gegeben hätte! Und der Titel verrät auch nicht das Geheimnis dieses Buches!
Nach einer schweren Enttäuschung und Verbannung des Buches in die hintersten Regalreihen, habe ich es nun nach langer Zeit wieder hervorgekramt! Und, was soll ich sagen, ich bin immer noch schwer enttäuscht!
Ich bin mir nicht sicher, ob es mein Problem allein ist, dass ich mit Soja und Tofu eigentlich die vegetarische Küche verbinde. Aber die Zeiten scheinen zu Ende zu sein und Soja und Tofu halten auch Einzug in Fleischgerichte! Oder ist das gar nur der Wunsch der Autorin? Ich kenne zumindest niemanden, der Fleisch isst und dies mit Tofu und Kuhmilchkäse zubereitet. Aber gut, vielleicht trägt dieses Büchlein ja seinen Teil dazu bei, dass mancher gelegentlich auf einen Teil seines Fleisches verzichtet und ein positives Verhältnis zur Sojabohne entwickelt... Das stimmt mich nun doch vielleicht ein wenig versöhnlich!
Ich blätterte also in meiner neuen Errungenschaft und las hier und da. Es sah auf den ersten Blick alles ganz normal aus. Auf Seite 5 noch schreibt die Autorin: "Das Problem der Welternährung ließe sich besser lösen, wenn der Sojaanbau für den direkten Verzehr forciert würde. Stattdessen gelangt ein Großteil der angebauten Sojabohnen als Futtermittel in die Nahrungskette. Durch die Umwandlung von pflanzlichem in tierisches Eiweiß ergibt sich ein deutlich schlechterer Wirkungsgrad." Sicher nickte ich zustimmend, um dann auf Seite 20 große Augen zu bekommen, denn im genau ersten Rezept als genau erste Zutat finden sich "10 Blatt weiße Gelatine"!
Erstaunt, enttäuscht, auch etwas wütend, blätterte ich nun wild durch das Buch, um reichlich Kuhmilchprodukte zu finden (die nebenbei bemerkt natürlich einen noch geringeren "Wirkungsgrad" als Fleisch haben) und fand von Garnelen, und allen möglichen Fischen, über Huhn und Hühnerbrühe bis zu Schweinehackfleisch und weiteren Tierteilen beinahe alles vor, was ich nicht im geringsten erwartet hätte.
Nun, als jemand, der nichts mehr vom Tier auf seinem Teller haben möchte, ist man es gewöhnt, Rezepte entsprechend umzustellen. Das Buch bietet ja auch viele vegetarische Rezepte, die leicht zu veganisieren sind (ein veganes Kochbuch hatte ich ja auch gar nicht erwartet). Doch für so viele Fleisch-Rezepte hätte ich kein neues, weiteres Buch gekauft. Tröstlich sind ein paar ganz nette Anregungen. Der versierte vegetarische oder vegane Koch wird allerdings in dem Buch nicht gerade eine Fundgrube für neue Ideen vorfinden.
Das Kochbuch richtet sich an aufgeschlossene, Fleisch verzehrende Menschen, die mit der Sojabohne und ihren Produkten gern experimentieren wollen. Für Vegetarier und Veganer ist das Buch nur sehr bedingt geeignet.
Die Aufmachung des Buches ist liebevoll, sehr ansprechend und modern, die Fotos sind brillant und die Rezepte sind, wie das ganze Buch, gut strukturiert. Sehr interessante Einführungskapitel, ein Glossar und ein Rezeptregister vervollständigen das Buch.
Einen Stern Abzug bekommt das Buch für den Titel, denn der ist schon sehr irreführend! Trotz der - für mich - großen Enttäuschung, möchte ich aber das Buch keinesfalls schlechtreden, denn es ist für allesessende Köche sicher eine Bereicherung.
Der Lerneffekt für mich: Kaufe kein Soja-Kochbuch mehr, in das Du nicht selbst geschaut hast!