Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Als Gitarrist, Bandmitbegründer und Hauptsongwriter Peter Wichers SOILWORK Ende 2005 kurz nach der Veröffentlichung des Quasi-Durchbruchalbums »Stabbing The Drama« verließ, stand die Zukunft der Band auf wackeligen Beinen. Die restlichen Bandmitglieder rauften sich zwar zusammen und veröffentlichten unter Mithilfe von Interimsgitarrist Daniel Antonsson mit »Sworn To A Great Divide« ein weiteres Album, dieses konnte jedoch nicht mit der Klasse der Vorgängeralben mithalten. Seit 2008 ist der verlorene Sohn nun wieder zurück und mit viel neuem Tatendrang am Werk. Was er in seiner Auszeit alles getan hat und warum »The Panic Broadcast« das beste SOILWORK-Album der Diskografie ist, verrät uns Peter in einem Vier-Augen-Gespräch.
„Es war ein tolles Gefühl, zusammen mit der Band, mit der mich so viel verbindet, wieder ein Album aufzunehmen“, weiß der vollkommen relaxt klingende Peter zu berichten. „Allerdings bin ich auch froh, dass das neue Album jetzt im Kasten ist, denn im Prinzip habe ich die gesamte Produktion im Alleingang gefahren.“ Nach seinem Weggang von SOILWORK zog es den sympathischen Workaholic nach Kalifornien, wo er sich als Produzent und Songwriter seine Sporen verdiente. So schrieb er unter anderem die Songs für das Nuclear-Blast-Allstars-Projekt (2007) und war auch maßgeblich am Gelingen der ersten WARREL DANE-Soloscheibe »Praises To The War Machine« beteiligt. „Ich habe in dieser Zeit viel für mich und über mich gelernt und bekam die Möglichkeit, mit wirklich tollen Menschen und Musikern zu arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Warrel Dane war ganz sicher eine der fruchtbarsten und interessantesten Dinge während meiner Auszeit von SOILWORK. Das WARREL DANE-Album ist ein zeitlos starkes Rockalbum geworden, und ich bin nach wie vor stolz darauf, hier mitgewirkt zu haben.«
Reife und Entspannung
Mittlerweile lebt Peter zusammen mit seiner Frau in Nashville, Tennesse, wo er sich auch ein eigenes Studio errichtet hat. Aufgenommen wurde »The Panic Broadcast« aber in North Carolina, um völlig entspannt arbeiten zu können. „Wir haben uns einfach ein komplettes Haus gemietet, und ich habe mein eigenes Recording-Equipment mitgebracht. So konnten wir relativ ungestört das Album aufnehmen und haben bewusst jedweden Termin- oder Zeitdruck vermieden. Für das Einspielen der Drums mussten wir dann noch mal umziehen, weil wir in unserem angemieteten Haus die Nachbarn mit dem Krach nicht verschrecken wollten, hahaha.“ Und für den Mix flog man dann wieder zurück nach Schweden ins Fascination Street Studio nach Örebro, wo Jens Bogren (OPETH, KATATONIA etc.) letzte Hand anlegte. Stilistisch ist »The Panic Broadcast« das mit Sicherheit vielseitigste SOILWORK-Album überhaupt, was mein Gegenüber mit Stolz erfüllt. „Die Band ist gerade in punkto Songwriting sehr viel reifer geworden, wir fällen mittlerweile klügere Entscheidungen, weil der ganz große Druck nicht mehr da ist. In der Vergangenheit wurde uns auch von Seiten unseres Managements sehr viel Druck auferlegt, und damit konnten wir nicht immer richtig umgehen. Viele unsere Song waren nach demselben Schema aufgebaut und klangen ähnlich, um eine Linie zu verfolgen. »The Panic Broadcast« wird viele Leute überraschen, weil jeder einzelne Song seinen eigenen Charakter hat. Es gibt softe Songs und verdammt harte Songs, wir haben uns um nichts Gedanken gemacht und einfach unseren Ideen und Gefühlen freien Lauf gelassen.“
Die ultimative Band
Mittlerweile sind SOILWORK eine international aufgestellte Band, denn neben dem „Amerikaner“ Peter besteht die Band noch aus zwei Franzosen und drei Schweden. Da dürfte es nicht immer leicht sein, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, gerade wenn es um Proben geht. „Ja, das stimmt, die Fliegerei ist manchmal ganz schön anstrengend, aber wir haben einen Weg gefunden, vor einer Tour stets gemeinsam zu proben. Dirk (Verbeuren/dr. – ps) lebt ja auch in den USA, in Cleveland, und immer wenn wir Shows in Amerika spielen, fliegt der Rest zum Proben hierüber. Umgekehrt, wenn wir Europa-Dates haben, fliegen Dirk und ich eben rüber, das funktioniert ganz gut.“ Als Gründe für seine zwischenzeitliche Auszeit von SOILWORK, gab Peter unter anderem an, dass er des vielen Tourstresses überdrüssig sei und mehr Zeit für seine Familie haben wollte. Jetzt hat die Band ein neues Album am Start und das Touren dürfte wieder losgehen. „Es wird nicht mehr so ein expansives Touren geben, wie wir es seinerzeit vor fünf, sechs Jahren gemacht haben. Da ist die Band sprichwörtlich von einer Tour in die andere gestolpert und war gewissermaßen das gesamte Jahr on the Road. Das war seinerzeit notwendig, weil sich die Band einen gewissen Status erarbeiten wollte und musste. Mittlerweile können wir das Ganze etwas relaxter angehen, wir sind in einer Position, wo wir nicht mehr jedes Angebot annehmen müssen. Ich habe vor meiner Rückkehr in die Band mit meiner Familie und auch allen Bandmitgliedern gesprochen und meinen Standpunkt erläutert. Konzerte: ja, aber kein exzessives Touren mehr.“ In den letzten Jahren hat es im Lager von SOILWORK etliche Line Up-Wechsel gegeben, doch Peter ist zuversichtlich, dass damit jetzt Schluss ist. „Sollte noch einmal einer gehen, dann wäre das gleichbedeutend mit dem Ende von SOILWORK. Wir sind uns alle einig in der Band, dass dieses Line-Up das ultimative SOILWORK – Line Up ist. Ganz ehrlich, ich denke nicht, dass die Band noch einen weiteren Wechsel verkraften könnte.“ Seiner Tätigkeit als Produzent wird Peter auch weiterhin nachgehen, dieses zweite Standbein will er sich nicht mehr wegziehen lassen. „Ich habe meine Berufung gefunden und das ist nun mal das Produzieren von Bands. SOILWORK ist ein wichtiger Teil von mir, und ich werde mich jetzt voll und ganz auf die Band konzentrieren, aber meine Zukunft liegt auch in dem Betreiben meines Studios.“
Line-Up:
Björn "Speed" Strid (Gesang)
Peter Wichers (Gitarre)
Sylvain Coudret (Gitarre)
Ola Flink (Bass)
Sven Karlsson (Keyboards)
Dirk Verbeuren (Drums)
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