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Sohn ihres Vaters
 
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Sohn ihres Vaters [Taschenbuch]

Tahar Ben Jelloun , Christiane Kayser
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 184 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499123029
  • ISBN-13: 978-3499123023
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,6 x 1,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 375.830 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Autorenportrait

Tahar Ben Jelloun wurde 1944 in Marokko geboren, lebt in Paris. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb, wurde 1987 mit dem Prix Goncourt für seinen Roman "Die Nacht der Unschuld" ausgezeichnet.

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44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Interessanter Einblick in eine fremde Kultur, 7. November 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Sohn ihres Vaters (Taschenbuch)
"Sohn ihres Vaters" beschreibt das Leben der siebten Tochter eines älteren Mannes, der sich verzweifelt einen Sohn als Erben und Nachfolger in Familie und Geschäft wünscht. Weil sich der gewünschte Sohn nicht einstellen will, erklärt er die Tochter zum Jungen.

Der Sohn Ahmed (das Mädchen) fügt sich in sein Schicksal und sieht auch die Vorteile für sich: Er kann über seine Schwestern und seine Mutter herrschen, das Geschäft des Vaters weiterführen, hat Ansehen und Macht und muß sich nicht verschleiern.

In der Pubertät wird's etwas schwierig, weil Ahmed ja nichts mit Mädchen anfangen kann und erst recht nichts mit Jungen. Im Laufe der Zeit wird Ahmed immer frustrierten und einsamer.

Er zieht sich in sein Zimmer zurück, tyrannisiert Mutter und Schwestern, läßt nur noch die Magd ins Zimmer und zeigt sich nicht mehr öffentlich - weil er sich äußerlich mehr und mehr zur Frau entwickelt - und auch entwickeln will.

Ahmed führt ein Tagebuch und unterhält einen lebhaften Briefwechsel mit einem Unbekannten. Der Leser erhält Einblicke in diese persönlichen Aufzeichnungen und kann sich daher sehr gut in Ahmed hineinversetzen.

Soweit klingt alles noch sehr folgerichtig und übersichtlich. Die Geschichte ist jedoch sehr verzwickt und vielschichtig aufgebaut.

Ahmed erzählt seine Geschichte weder selbst, noch erzählt sie ein über den Dingen stehender, alles wissender Autor.

Ein alter Erzähler auf dem Bazar von Marrakesch beginnt mit der Geschichte, wird aber nach einiger Zeit unterbrochen von einem Mann, der behauptet, verwandt zu sein mit Ahmeds Frau (ja, er hat auch geheiratet!). Die angeblichen Tagebücher Ahmeds seien gefälscht, er habe die richtigen, und die Geschichte wäre ganz anders verlaufen. Und dann erzählt er seine Version...

Später übernimmt der ursprüngliche Erzähler wieder, stirbt aber, bevor die Geschichte beendet ist. Er wird verbrannt, angeblich mitsamt der Tagebücher.

Über das fehlende Ende sinnieren drei alte Leute im Teehaus und beschließen, die Geschichte selbst weiterzuspinnen. Die beiden Männer erfinden etwas, die alte Frau hingegen eröffnet den beiden, daß sie selbst früher Ahmed gewesen sei. Sie beginnt mit ihrer Geschichte, aber noch bevor sie fertig ist, betritt ein Mann aus Argentinien das Teehaus und erzählt, daß eine Frau mit ungewöhnlich tiefer, fast männlicher Stimme ihn in Argentinien besucht hätte. Eine Frau aus Marokko, die ihm die merkwürdige Geschichte ihres Lebens erzählt hätte...

Bis zum Schluß erfährt der Leser nicht, wie der Verlauf der Geschichte eigentlich wirklich war. Aber was soll's? Es ist ja keine wahre Begebenheit, es ist ja wirklich "nur" eine Geschichte, und es ist doch schön, wenn sich jeder das Ende aussuchen darf, das ihm paßt. Oder?

Wir sind es gewohnt, daß eine Geschichte nur ein eindeutiges Ende hat. Mich hat es total genervt, immer wieder in eine neue Richtung denken zu müssen und immer wieder aus dem Handlungsstrang herausgerissen und in einen neuen "versetzt" zu werden.

Aber letzten Endes ist diese Erzählweise ideal, um dem Leser folgende beiden Botschaften zu vermitteln:

- Jeder, dessen Leben zwangsweise in den falschen Bahnen verläuft, reagiert darauf anders. Es ist eine Frage der persönlichen Stärke und des Charakters, ob man aus der Situation ausbricht, sich darin widerwillig fügt, oder gar das Beste daraus macht. Viele denkbare Möglichkeiten werden in diesem Roman nacheinander dargestellt.

- Eine Frau kann ihr Leben genausogut meistern wie ein Mann, kann herrschen und dirigieren, kann Geschäfte abschließen usw. In einer Gesellschaftsform, wie sie in Marokko herrscht (konservativer Islam), werden die Frauen jedoch unterdrückt, was zu katastrophalen Folgen für die Einzelne führt (nicht nur Ahmed, auch seine Schwestern und seine Mutter leiden) und letzten Endes auch den Männern schadet (Ahmeds Vater leidet sehr unter der fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung wegen seiner "Unfähigkeit", einen Sohn zu zeugen.)

In diesem Roman steckt viel Rätselhaftes drin, das es wert wäre, interpretiert zu werden. Es eignet sich meines Erachtens hervorragend als Unterrichtsmaterial für den Deutschunterricht. Es nebenbei zur Entspannung zu lesen, ist mir ein bißchen zu anstrengend.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Erschreckende Geschichte - erzählt, ohne anzuklagen, 6. Juni 2008
Von 
Tobias Stephan "psycho-leipzig" (Leipzig) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sohn ihres Vaters (Taschenbuch)
Tahar Ben Jelloun erzählt in diesem Roman die Geschichte der achten Tochter einer arabischen Familie. Ihr Vater strafte schon ihre sieben Schwestern mit Ignoranz und wünschte sich nichts sehnlicher, als endlich einen Sohn zu bekommen. So beschließt er, seine achte Tochter als Sohn namens Ahmed groß zu ziehen. - Als Rahmenhandlung dient ein Erzähler, der Ahmeds Geschichte seinen Zuhörern vorträgt. Später verschwindet er und gibt so seinen Zuhörern die Möglichkeit, selber über den Fortgang der Geschichte zu spekulieren, bevor er gegen Ende des Buches wieder zurückkehrt.
Der Erzähler lässt Ahmed seine Gedanken und Empfindungen schildern, seine Suche nach Identität, sein Leiden, aber auch seine Kälte gegenüber seinen Mitmenschen. Es wird deutlich, wie sehr Ahmed lange Zeit die ihm zugeschriebene Rolle annimmt, perfekt dem Klischee des kühlen, rationalen Geschäftsmannes entspricht, später aber immer mehr an dieser künstlichen Identität zerbricht und sich auf die Suche nach seiner wahren Identität begibt. Dabei wird er von einem Briefwechsel mit einem anonymen Schreiber inspiriert.
Der Autor beweist sein Gespür für große Erzählkunst. Nicht Ahmeds gesamte Biographie wird dargelegt, seine Gedanken und Empfindungen stehen im Vordergrund. Die Rahmenhandlung stand mir verglichen mit der eigentlichen Geschichte Ahmeds aber zu sehr im Vordergrund, so dass zwischenzeitlich der Erzählfluss etwas auf der Strecke blieb. Ahmeds Innenperspektive hätte mich mehr interessiert als die Gedanken des Erzählers und seiner Zuhörer. Dennoch ist eine spannende Geschichte entstanden, in der die Rolle der Frau in der arabischen Welt thematisiert wird, ohne diese Kultur anzuklagen. Dass eine Frau durchaus auch in dieser Welt angenommen und selbstbestimmt leben kann, zeigt die Geschichte von Fatouma, die zwischenzeitlich zur Erzählerin wird. Ein Beispiel, das Mut macht.
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