Nach dem Lindenberg die Latte der ComeBacks mit seinem letzten Album so hoch gelegt hat, das ein Westernhagen mit "Williamsburg" nur kläglich scheitern konnte, kommt da der ewige Underdog Gabriel daher. Zupft ein bissschen auf seiner Klampfe, raucht mit seiner einfarbigen Stimme ausgelutschte Looserfloskeln ins digitale Zeitalter und quast mit seiner verbauten Vergangenheit ein paar Unplugged- und Coversongs dem Zuhörer ins Ohr.
"Das darf doch nicht war sein, den kann ich doch nicht GUT finden", versuchte ich mich ernsthaft zu wehren und erinnerte mich an einem peinlichen Auftritt im "Blauen Bock" in den 70ern, wo er mit seinem plakativen Äußerungen der Deutschtümelei gerade noch die Kurve kriegte.
Wohltuend arrangierte und nicht überinstrumentiert kommen seine "Weisheiten" in Stile eines Cash/Springsteen daher. Der Versuch ein Sohn aus dem Volk zu sein, hat er wohl übertroffen, da er sich mit dem Album das COMEBACK des Jahres gesichert hat und sich somit wieder in die oberste Riege der "deutschsingenden" Künstler katapultiert.
Ich kann nur gratulieren, ziehe den Hut, wünsch ihm den Erfolg! Denn den hat er sich mit seiner Wohnzimmer-Tournee verdient (Steuerschulden im hohen 6stelligen Bereich mit Kleinauftritten aus den Rippen gedrückt). Wo andere also das Handtuch geschmissen hätten, hat er sich den Schweiß mit Putzlappen abgerieben. Dabei so viel Schmerz und selbst auferlegtes Leid in sein faltiges Äußeres gepresst, dass diese Platte hier der Lohn ist. Ob da nun die Plattenindustrie den Arbeiterjuhnke gepusht hat, er für sich einen Spagat zwischen Mainstream und eigenen Geschmack gebastelt hat und dabei seine Looseridentität aufgegeben hat, interessiert mich wenig, da es mir .... ich mag es kaum zugeben ... trotzdem und irgendwie gefällt! Jedes "Comeback" eines jeden Künstlers kam man da irgendwie in Frage stellen, wenn man es will. Doch letztendlich muss man gefallen finden an des Künstlers Arbeit, oder eben nicht (Geschmäcker sind halt verschieden).
Wie gesagt, ich wehre mich und kann es nicht begreifen, dass ich vor ihm auf die Knie gehe. Obwohl er 5 verdient hätte, geb' ich ihm nur 4 Sterne, da ich nicht zugeben will, dass der Sohn aus dem Volk einen neuen Fan hat. BRAVO !!!