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Sogar Papageien überleben uns: Roman [Gebundene Ausgabe]

Olga Martynova
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

29. Januar 2010
Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht. Außerdem ist da ein Mann, der in Leningrad Russisch studierte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte lebte. Die Vergangenheit ist nicht vergangen – und das gilt nicht nur für diese private Geschichte: »Ich habe Angst vor den Geheimnissen der Zeit.« Ein ganzes Jahrhundert (und manchmal auch mehr als das) passiert in den Assoziationen Marinas Revue, und nirgendwo sonst ist dieses letzte Jahrhundert vielfältiger, durch gewaltige Brüche im Sozialsystem fragmentierter gewesen als in Russland: vom Zarenreich über die Revolution, die Sowjetunion, die Weltkriege, die Belagerung Leningrads durch die Deutschen, die Perestrojka … Olga Martynova, Lyrikerin und Essayistin, fächert in ihrem ersten (und auf Deutsch geschriebenen) Roman mit bezaubernder Leichtigkeit das Schwierigste vor uns auf: die vielen Seiten der Vergangenheit, den »Grünspan der Zeit«, dieses Gleiten von Positionen und Ansichten, das nur die Literatur vermitteln kann. Wir lesen nicht nur von den literarischen Avantgardisten rund um Charms und Vvedenskij, von der Gegenwart des Jüdischen in vielen Bereichen der Alltagskultur, wir erfahren auch von Hippies und Landkommunen in Innerasien, von Autostopp-Reisen nach Sibirien und vom buddhistischen Kloster mit dem unverweslichen Lama. Martynovas genauer Blick fördert aber auch überraschende Beobachtungen an ihrer deutschen Umgebung zutage, an diesem an deutsch-russischen Kulturverbindungen interessierten Publikum. "Sogar Papageien überleben uns" ist ein berührender und überraschender Roman, der auf paradoxe Art ignoriert, was seine Protagonistin einmal fordert, »dass man in den Büchern besser nicht von den komplizierten Sachen schreibt«. Und was wäre komplizierter als das Wandern in die Vergangenheit, als das assoziative Gewebe der Erinnerung, als die Arbeit der Dichter an unserem Gedächtnis?

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Droschl, M; Auflage: 1 (29. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3854207654
  • ISBN-13: 978-3854207658
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 530.294 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Olga Martynova, 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren, wuchs in Leningrad auf, studierte russische Sprache und Literatur; 1991 zog sie nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann Oleg Jurjew in Frankfurt/Main. Sie schreibt Gedichte (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Mit ihrer Lyrik war Olga Martynova auf der Longlist für den Russischen Preis 2009, mit ihrem Roman-Debüt »Sogar Papageien überleben uns« kam sie auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und auf die Shortlist des Aspekte-Preises. 2011 erhielt sie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Roswitha-von-Gandersheim-Preis. 2012 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein älteres Paar, aus dem hiesigen Adel, er in grüner Tracht, sie in rosa Chanel, wollte ausführlichere Informationen zu den russischen Sprüchen haben. Sie waren auch vor drei Jahren in Petersburg (»So eine schöne Stadt!« »Danke!« Ich muss mir das endlich abgewöhnen: zu danken, wenn jemand St. Petersburg oder die russische Sprache schön findet) und wollten nun wissen, wie eine Stadt sich eine so prachtvolle Feier leisten kann, wenn es so viele ungelöste soziale Probleme gibt.
Da war Katharina bereits auf meiner Seite (ich meine auf der Petersburgs): »Menschen brauchen doch Feiern«, sagte sie. »Wenn in einer Bauernfamilie eine Tochter heiratet, machen sie ein Riesenfest, obwohl es wahrscheinlich klüger wäre, eine Kuh zu kaufen.« Die ländlichen Bilder in Katharinas Argumentation erstaunten mich, überzeugten das Paar aber völlig. Die Dame wollte mir noch etwas Nettes sagen und wiederholte, wie großartig sie Petersburg fand. Dann fand sie noch ein Kompliment: Ihre Putzfrau sei eine Russin, eine ausgesprochen fleißige Frau!

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4.0 von 5 Sternen Lesenswert! 15. April 2013
Von koanmi
Format:Taschenbuch
"Die dummen Männer in einer intellektuellen Gesellschaft führen oft lange, rege und sinnlose Unterhaltungen." - Marina, russische Literaturwissenschafterin und Daniil Charms Expertin begibt sich auf eine Reise in die russische Vergangenheit. In jene ihrer geschätzten DIchter ebenso wie in ihre eigene, in der sie noch vor der Perestroika die Bekanntschaft von Andreas macht. Den deutschen Literaturwissenschafter verbindet mit Marina eine gemeinsame Jugend. Im ZUge einer Vortragsreise in Deutschland macht er Marina einen Heiratsantrag, nachdem beide gescheiterte Ehen hinter sich haben. Marina fällt es schwer, eine Entscheidung zu treffen, zu sehr haben sie die Jahre verändert, ebenso wie sich ihre Heimat St. Petersburg verändert hat. Martynova erzählt eine wunderbare Geschichte, gespickt mit intellektuellen Weisheiten und fein gesponnenen Gedankenanstößen. Unbedingt lesenswert!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Exotenliteratur 6. Januar 2013
Von J. Wojcik
Format:Taschenbuch
Irgendwo las ich, dass man dieses Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und lesen kann. Dem ist wirklich so. Olga Martynova Roman besteht aus 88 mehr oder weniger kurzen Prosatexten, die fast vollständig unabhängig voneinander gelesen werden können. Der rote Faden ist die Beziehung Marinas zu ihrem deutschen Freund Andreas und der Dichterkreis um Daniil Charms.

Sogar die Papageien überleben uns ist eine ungewöhnliche Reise durch Zeit und Geschichte. Es handelt vom Zeitfluss, von Zeitflussweibern, von "Dingen, von früher" und "Dinge aus dem anderen Leben" und wirkt ein wenig selbstverliebt als Roman. Es braucht das ein oder andere Mal ein wenig Durchhaltevermögen um den Unsinn der Gedankenspiele zu druchschauen, aber insgesamt amüsieren die geistigen Achterbahnfahrten der Autorin.

“Wwedenskij sagte: Und überhaupt: Jede Beschreibung ist falsch. Der Satz: >>Ein Mensch sitzt, über seinem Kopf ist ein Schiff<< ist doch vielleicht richtiger als >>Ein Mensch sitzt und liest ein Buch.<<”

Es wäre falsch zu sagen (das habe ich in meinem Vortrag nicht mitgeteilt): Ich stehe in einem schattigen Hof. Neben mir steht ein deutscher Schauspieler. Ich warte, bis er sein Foto signiert hat. Nein. Ich stehe in einem schattigen Hof. Über meinem Kopf kauen die Kamele das dürftige Grün, das nicht einmal grün ist. Unter meinen Füßen hinter dem Schattengatter (-gitter?) staubt der gelbe Himmel der Wüste, der Andreas und mir vor fast zwanzig Jahren golden war.” [S.
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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus der Vogelperspektive 14. Oktober 2010
Format:Gebundene Ausgabe
betrachtet erscheint das 20. Jahrhundert als wild romantisches Zeitalter. Ein Mann geht nach Russland (anno 1942) und lässt bei Stalingrad seinen rechten Arm zurück. Ein anderer Mann geht nach Russland (anno 1986), um eventuell diesen Arm, der einmal seinem Vater gehört hat, aufzulesen und lässt stattdessen sein Herz in Leningrad zurück.
Es vergehen 20 Jahre. Leningrad gibt es nicht mehr. Genauso wenig wie Stalingrad. Nur das zurückgelassene Herz lebt, und schmerzt, und will geheilt werden.
Erzählt wird diese internationale Liebesgeschichte von der Frau, in die sich der deutsche Student Andreas 1986 unvorsichtig verliebt hat. Aus der kühnen siebzehnjährigen Germanistikstudentin von damals ist eine verträumte Germanistikprofessorin geworden. Ihre Welt besteht zu 80 % aus Literatur, und die restlichen 20 % sind ihrer Jugendliebe Andreas vorbehalten. Sie sinniert sehr viel über die Vergangenheit nach: ihre eigene wie die Russlands, was für eine Frau in ihrem Alter als ein wenig früh erscheint. Außerdem hat sie eine große Affinität zu den Vögeln. So gut wie jeden Menschen in ihrer Umgebung ordnet sie einer bestimmten Vogelart zu. Das ist meistens präzise beobachtet und mit den Zitaten aus der Weltliteratur hübsch unterlegt.
Im Sommer 2006 kommt sie zu einem Kurzbesuch nach Deutschland. Aber nicht um Fußball zu gucken, auf gar keinen Fall, sondern um an einer höchstwissenschaftlichen Literaturtagung teilzunehmen. Die alte Liebesgeschichte bekommt eine (glückliche) Fortsetzung. Ob das empfindliche Herz von Andreas dies verkraften wird?
Der Roman ist in kurze Kapitelchen untergeteilt, konsumentenfreundliche Lesehäppchen.
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