Agil ist in, auch wenn noch nicht alle Softwareteams agil arbeiten. Aber warum eigentlich Agilität? Weil die Erfahrung zeigt, dass die Ergebnisse der Softwareentwicklung dann besser sind, vor allem näher an den wahren wechselnden Bedürfnissen des Kunden.
Erfahrung ist natürlich unverzichtbar, am Ende jedoch immer anekdotisch. Für den einen funktioniert etwas, das motiviert andere; doch andere können den Erfolg womöglich nicht ohne weiteres im eigenen Kontext reproduzieren. Was dann? Dann hilft Reflexion, dann hilft der Blick hinter die Kulissen.
Das ist Zweck dieses Buches: ein Blick hinter die Kulissen der Softwareentwicklung mit der Frage, "Wie funktioniert gute Softwareentwicklung eigentlich grundsätzlich?" Denn nur wer das Gemeinsame aus anekdotischen Erfolgsgeschichten herausdestilliert und in Einklang mit fundamentalen psychologischen Erkenntnissen bringt, kann darauf hoffen, das Funktionierende wie das nicht Funktionierende wirklich zu verstehen. Und nur wer versteht, kann verständig reagieren, wenn es mal nicht klappt.
Das Buch bewegt sich angenehm jenseits des Hypes um Agilität. Es ist nicht zur Bestätigung von Agilität geschrieben worden, sondern kommt nur vielfach zu den selben Ergebnissen wie die Agilitätsbewegung. Das ist eine schönes Ergebnis für agile Softwareentwicklung - weist allerdings auch über sie hinaus. Denn es geht ja nicht um einen Begriff, sondern darum, "nur" das Richtige zu tun. Und das kann heute sein, was die Agilität empfiehlt, morgen aber näher an Lean liegen und übermorgen noch anders aussehen.
Die Autoren fühlen sich keinem Lager verpflichtet. Ihnen geht es um die psychologischen Invarianten hinter modischen Namen. Das ist ein überfälliger Ansatz in einem Metier, das arm an wissenschaftlicher Aufbereitung ist, was seine Methoden angeht.
Empfehlenswert finde ich das Buch für jeden, der mehr lesen will, als Lobeshymnen auf einzelne Methoden oder pragmatische Anleitungen zu ihrer Einführung. Wer sich selbst Gedanken darüber machen will, wie er arbeitet, findet hier anregende Lektüre. Das Buch ist klar geschrieben und leicht und schnell zu lesen.
Nur 4 Sterne gebe ich ihm aber, weil mir bei allem Gefallen an den grundlegenden Gedanken dann doch manchmal ein klares Wort zu den Konsequenzen für die Praxis gefehlt hat. Mehr Ergebnisse auf den Punkt gebracht und in Guidelines verpackt, sozusagen Meta-Guidelines jenseits konkreter Methoden, das wäre schön gewesen.