»Das Zerwürfnis des Ehepaars Tolstoi, die Flucht des Dichters im Jahre 1910 waren keine Privatsache, sondern eine Angelegenheit von enormem öffentlichen Interesse. Leo Tolstoi war eine lebende Legende, er wurde in Russland verehrt wie ein Heiliger, seine Prominenz stand der des Zaren in nichts nach.
Am deutlichsten Partei für die Ehefrau ergreift die erste umfassende Tolstaja-Biografie [...]. Geschrieben wurde sie von der Slawistin Ursula Keller und der Kunsthistorikerin Natalja Sharandak. Ziel der beiden Autorinnen ist es, die Aufmerksamkeit endlich auch auf das schriftstellerische Werk der Ehefrau Tolstois zu lenken und ihr so "eine eigene Stimme" zu geben. Zu diesem Zweck wurden kaum bekannte und bisher unveröffentlichte Texte aus ihrer Fedr in russischen Archiven ausgewertet. Es ist eine fundierte und höchst eindrucksvolle Lebensdarstellung geworden.
Die Zeit, in der Tolstoi sine großen Romane schrieb, deren Entstehung seine Frau begeistert begleitete, war die glücklichste.« (Volker Hage
Der Spiegel )
»Sie war Lektorin, Verlegerin, Autorin, verwaltete ein Landgut, engagierte sich sozial und kümmerte sich nebenbei noch um 13 Kinder: Sofja Andrejewa Tolstaja, die Ehefrau von Lew Tolstoj.
Den Roman Krieg und Frieden, rund 1700 Seiten stark, soll sie - vor allem Nachts - sieben Mal für ihn abgeschrieben und korrigiert haben.
Als die Kinder größer waren, machte sie sich einen Namen als Verlegerin, erstellte umfassende Werkausgaben, schrieb selbst an Erinnerungen, an eigenen literarischen Werken und betreute daneben Biografien internationaler Autoren über ihren Mann.
Als selbstbewusste Mutter seiner Kinderschar, als erfolgreiche "Managerin" und nicht zuletzt als langjährige Hüterin seines Werks besteht sie darauf, den Besitzstand zugunsten der Kinder zu vermehren und die Zügel in der Hand zu behalten, statt sie anderen zu überlassen [... ].
In sieben großen Kapiteln zeichnen die beiden Autorinnen einfühlsam und anekdotisch ein Bild von Sofja Tolstaja, das so lebendig und plastisch erzählt wird, als hätte man sie persönlich kennengelernt.« (Olga Hochweis
Deutschlandradio Kultur )
»Die quälende Ehetragödie zwischen dem Schriftsteller Lew Tolstoj und seiner Frau sorgte für zahlreichen Klatsch und Tratsch. Ursula Keller und Natalja Sharandak beschreiben in ›Sofja Andrejewna Tolstaja‹ das Leben der Ehefrau Tolstojs: ein tragisches Schicksal - bewegend geschildert und spannend wie ein Roman. ... Die Autorinnen können ... auf eine riesige Fülle autobiografischer Aufzeichnungen zurückgreifen, und der Text besteht denn auch - eingebettet in das historische Umfeld Russlands - zu großen Teilen aus gut ausgesuchten und geschickt zusammengestellten Tagebuch- und Briefzitaten der Beteiligten. Und gerade diese unterschiedlichen Ich-Stimmen mit ihrer subjektiven emotionalen Betroffenheit machen das Buch mitreißend und lebendig.«
(Karla Hielscher
Deutschlandradio Kultur )
»[Diese Biographie] zeigt die Klugheit, Energie und das Leidenpensum einer Frau, die auf den Schriftsteller Tolstoi nichts kommen ließ, von ihm als Denker wenig hielt und dem schrecklich simplifizierenden Thesenautor der ›Kreutzersonate‹ mit der subtilen Erzählung ›Eine Frage der Schuld‹ Contra gab. Zum Glanz der Biografie tragen die ausgiebigen Zitate aus den auch russisch nur teilweise veröffentlichten Memoiren der Tolstaja bei.«
(
Neue Zürcher Zeitung am Sonntag )
»Denn seit ... der Biografie von Ursula Keller und Natalja Sharandak ist der Mythos von Sofja als krankhafter Hysterikerin und Totengräberin Tolstojs dahin. Sie war mehr als die Hyäne an seiner Seite.«
(Elmar Krekeler
welt.de )
»Eine bewegende Lebensdarstellung und längst überfällige Rehabilitation der zu Unrecht geschmähten Schriftstellergattin.«
(Marion Lühe
Die Welt )
»In diesem Buch steht die Geschichte einer starken, für ihre Zeit erstaunlich emanzipierten, aber eben auch tief leidenden Frau und die Geschichte eines Mannes mit genialen Fähigkeiten, der aber auch ein frauenfeindlicher Macho voller Eifersucht war […]. Und in diesem Buch steht auch die Geschichte einer großen, wenn auch am Ende furchtbar tragischen Liebe […]. Angekündigt als Sachbuch – eine Biographie –, ist dieses Buch spannender und tiefgründiger als mancher Roman […]. Das liegt auch daran, dass die beiden Autorinnen die Dokumente, die sie gefunden haben, kaum kommentieren, sondern einfach für sich sprechen lassen. […] Was für eine Frau – mutig, engagiert, klug, mit Kraft und voller Emotionen, am Ende ihres Lebens leider sehr enttäuscht, sie selbst war es ja auch, die prophezeit hat, dass man sich an sie nur als nörglende, gierig-geizige und ewig zänkische Ehefrau Tolstojs erinnern würde, vor der ihr Mann letztendlich geflüchtet sei. Aber dieses Bild ist nun passé, denn Tolstoj war unbestritten ein großer Schriftsteller, aber hinter ihm stand eben auch eine ganz große Frau.«
(
Radio eins )
»Diese neue Biografie zu Leben und Leid der Sofja Andrejewna Tolstaja ist ein Meilenstein in der Tolstoj-Forschung, denn sie wirft ein völlig neues Licht auf Rolle und Selbstverständnis der Schriftstellergattin – und damit auf den Dichterfürsten Lew Tolstoj und sein Werk. Das Tolstoj-Bild des unter einer gierigen und rücksichtslosen Furie leidenden Dichters ist rechtzeitig vor seinem 100. Todestag gestürzt worden. Diese Biografie stellt aber keineswegs den plumpen Versuch dar, die Tolstaja auf Kosten von Russlands berühmtestem Schriftsteller reinzuwaschen. Ganz im Gegenteil, werden doch auch hier aus verschiedenen Blickwinkeln die Verfehlungen und Schwächen der Dichtergattin ungeschönt präsentiert. Damit ermöglichen Keller und Sharandak erstmalig einen umfänglichen und differenzierten Einblick in das (Seelen-)Leben der Sofja Tolstaja, die alle vorstellbaren Höhen und Tiefen durchlebte und diese zum Großteil mit sich allein ausmachen musste. Das Ergebnis ist ein neuer Blick auf das Ehe- und Schriftstellerpaar Lew und Sofja Tolstoj, der nun nach einer Überarbeitung aller den Dichter bejubelnden oder seine Frau verteufelnden Tolstoj-Biografien verlangt.«
(
literaturkritik.de )
»Lange Zeit lebte ich nicht mein eigenes Leben und meinen eigenen Willen, sondern als die Gattin Tolstois.« – Am 23. September 1862 heiratete die achtzehnjährige Sofja Andrejewna Behrs Lew Nikolajewitsch Tolstoi. Anfangs widmete sie ihr Leben ganz dem viel älteren Schriftsteller. Sie war erste Leserin und Kritikerin seiner Werke, Mutter seiner vielköpfigen Kinderschar, verwaltete das Landgut und kümmerte sich um die Finanzen. In jener Zeit des Familienglücks entstanden u.a. Tolstois große Romane Krieg und Frieden und Anna Karenina. Nach fast zwei Jahrzehnten Ehe beschäftigte sich Tolstoi zunehmend mit religiösen und philosophischen Themen und stellte sämtliche Werte seines bisherigen Lebens in Frage. Er entzog sich seiner Frau und Familie, und es kam zu dramatischen Konflikten. Sofja Tolstaja hörte auf, das geistige und literarische Leben ihres Mannes als ihr eigenes zu begreifen. Nachdem sie ihrer eigenen literarischen Begabung vor der Hochzeit entsagt hatte, begann sie, wieder zu schreiben, nur wenige ihrer Werke wurden jedoch veröffentlicht. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung Rußlands am Vorabend der russischen Revolution, in der die vermeintlich natürliche, Gott gewollte Geschlechterordnung von vielen Zeitgenossen in Frage gestellt wurde, zeichnet die Biographie das Porträt der Gattin Tolstois als Frau, die für ihre eigene Lebenswahrheit stritt. »In sieben großen Kapiteln zeichnen die beiden Autorinnen einfühlsam und anekdotisch ein Bild von Sofja Tolstaja, das so lebendig und plastisch erzählt wird, als hätte man sie persönlich kennengelernt.« Deutschlandradio Kultur