Zunächst einmal muss man festhalten, dass es nur in den seltensten Fällen sinnvoll ist, eine Verfilmung an seinem Buch zu messen, da es sich um zwei unterschiedliche Medien handelt, die jeweils ihre Stärken, Schwächen und Schwerpunkte haben. Trotzdem muss es erlaubt sein, den Vergleich anzudeuten, was bei "Sofies Welt" zu einem besonders tragischen Ergebnis führt. Während das Buch gleichermaßen zu verzaubern und zu bilden weiß, schafft der Film beides kaum.
Der Film ist keine eins-zu-eins-Umsetzung, und das ist per se kein schlechter Gedanke gewesen, eignet sich der Roman wegen seiner umfangreichen Philosophieexkurse doch eher weniger dafür, wohingegen die in der Vergangenheit spielenden Szenen geradezu prädestiniert dafür sind. Der Film versucht wohl genau diesen Spagat hinzubekommen und weiß gerade bei letzteren im Ansatz zu überzeugen. Leider kommen diese viel zu kurz und wirken größtenteils oberflächlich und gar lächerlich. Hier wurde viel Potenzial verschenkt. Generell werden die philosophischen Themen bloß angerissen und der ganze Film wirkt wie ein buntes Sammelsurium aus Gedankenfetzen, dessen einzige Ordnung die Chronologie zu sein scheint. Wissen wird kaum vermittelt, und man kann auch nicht wirklich davon sprechen, dass Neugier oder Lust auf mehr geweckt wird. Hier steht der Film im deutlichen Gegensatz zum Roman.
Dabei ist der Anfang in Griechenland so vielversprechend und auch in der Laufzeit von knapp 110 Spielminuten wäre es durchaus möglich gewesen, die Materie annähernd so tiefgründig zu behandeln wie das Buch. Doch es scheint von Anfang bis Ende die Krux zu sein, dass es sich um eine Buchverfilmung handelt, denn man versteht eigentlich kaum etwas von der Handlung, wenn man das Buch nicht gelesen hat, weil es sich meist um Versatzstücke von Handlungsfetzen handelt, deren Zusammenhang nur schwerlich erkennbar ist. Vielleicht hätte man sich hier noch weiter vom Roman lösen sollen, um ein besseres Ergebnis erzielen zu können. Dabei muss man schon sagen, dass viele Elemente hinzugedichtet wurden, wogegen im Prinzip auch nichts zu sagen ist; nur überzeugen diese neuen Elemente leider gar nicht (die Liebesgeschichte ist einfach nur schnulzig) und entfremden den Film einfach zu sehr von der Grundidee. Hier hätte es nunmal heißen müssen: Entweder ganz oder gar nicht.
Handwerklich ist "Sofies Welt" ebenfalls zwiespältig. Die Rollen der Sofie und des Alberto Knox sind wunderbar besetzt und sehr stimmig, die restlichen allerdings pendeln zwischen unscheinbar und lächerlich hin und her. Die Musik ist größtenteils atmosphärisch, allerdings in vielen Szenen einfach zu aufdringlich. Im Großen und Ganzen möchte man annehmen, dass Kinder vor dem Pubertätsalter als Zielgruppe dienen sollten, doch dafür passen einige Szenen vom drastischen Grad der Darstellung ganz und gar nicht ins Konzept. Ein guter Jugendfilm zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass er sowohl für jung als auch alt sehenswert ist; "Sofies Welt" ist es eigentlich für beide Gruppen nicht, höchstens für Liebhaber des Romans, die einmal sehen möchten, wie es sich andere vorgestellt haben. Doch in jedem Fall gilt: Das Buch lesen und die eigene Phantasie spielen lassen!