Nachdem mir diese Buch schon soviele Male in meinem Leben über den Weg gelaufen ist, sei es im Zug als es jemand las, im Bücherregal von Bekannten oder sei es einfach als Thema einer aufgeschnappten Unterhaltung irgendwo, habe ich es nun endlich auch gelesen. Warum erst jetzt?? frage ich mich seit den ersten Seiten, denn dieses Buch ist großartig!
Jostein Gaarder erklärt hier die Geschichte der Philosophie dermaßen einfach und einleuchtend, erklärt aber gleichzeitig auch wie wichtig Philosophie eigentlich immer war und sein wird, das man sich am liebsten mit gar nichts Anderem mehr beschäftigen möchten.
Der Kern der Geschichte dreht sich um, wie sollte es anders sein, die 14jährige Sofie. Eines Tages bekommt diese plötzlich eine merkwürdige Karte zugestellt auf der steht.: "Wer bist Du?" Das soll die erste von ganz vielen Fragen sein, über die Sofie sich ab sofort Gedanken machen soll. Die Erklärungen werden allerdings kurz darauf ebenfalls zugestellt. So bekommt das Mädchen erst per Post, später dann persönlich, Philosophieunterricht. Und man möchte, trotz der nicht immer ganz fesselnden Handlung, natürlich gerne wissen, wie es mit Sofie weitergeht, wer beispielsweise der geheime Briefeschreiber ist. Im Laufe des Buches beginnt Jostein Gaarder sogar noch ein kleines Verwirrspiel mit dem Leser. Das treibt natürlich den Lesespass auch noch an, neben der Neugier auf die nächste Lektion in Philosphie. Von den Mythen, die es noch gab, bevor sich jemand ernsthafte Gedanken machte, über Aristoteles, Hume, Hegel und Marx (u.v.a.) bis zu Sartre ist hier alles kinderleicht erklärt, dabei achtet der Autor immer darauf, die jeweiligen Ansichten im Kontext ihrer Zeit zu erläutern. Man hat also einen roten Faden dem man gut folgen kann. Wobei auch Abstecher zu Darwin und Freud gemacht werden, denn die Hauptfrage "Was ist ein Mensch?", lässt sich nur schwerlich ohne Biologie und Psychologie erklären. Nicht nur Sofie, auch viele Leser, die sich erst jetzt an Philosophie heranwagen, werden durch dieses Buch mehr lernen, als in einem Jahr in der Schule. Denn natürlich wird hier niemand weiterlesen können ohne sich selbst Gedanken zu machen. Ist der Standpunkt von Hegel nachvollziehbar? Oder halte ich es doch eher mit Kierkegaard? Und sollte man nach Beendigung der Lektüre nochmals etwas nachlesen wollen, was bei der Fülle an Informationen kein Wunder wäre, dann stehen das Personen- und das Sachregister am Ende hilfreich zur Seite. Ausserdem ändert sich die Schriftart im Laufe des Buches, so dass man auch bei späteren Durchblättern schnell erkennt, ob der jeweils aufgeschlagene Abschnitt eine Unterhaltung über Philosophie oder den "normalen" Verlauf der Geschichte thematisiert. Das gefällt mir sehr.
Sofies Welt ist definitiv ein Buch für alle Altersgruppen, dennoch kommt manchmal das Jugendbuch ein wenig durch, muss man festhalten, was vielleicht störend wirken könnte (die Betonung liegt hier auf dem "vielleicht"!), wenn der Leser die 18 Jahre überschritten haben sollte, was auch bei mir der Fall ist. Dennoch habe ich mich für 5 Sterne entschieden. Das Buch ist geist- und lehrreich und ein perfekter Einstieg in die Philosophie. Bleibt nur zu hoffen, das die meisten Leser sich auch wirklich dazu entschließen werden, im weiteren Verlauf ihres Lebens nichts als gegeben hinzunehmen, sondern neugierig zu bleiben, sich Gedanken zu machen. Denn wie heisst es mehrmals in "Sofies Welt": Nur weil ich noch keine weiße Krähe gesehen habe, heisst es nicht, dass es keine gibt!