Dieses Buch vereint in beeindruckender Weise fast ausschließlich Selbstportraits, die als Profilbild in lauter soziale Netzwerke hochgeladen worden sind. Die beiden Autorinnen bemühen sich die Bilder nach Kategorien zu ordnen (Pictures at armlength, at the job etc.), was leider nicht immer stringend gelingt, denn die meisten Bilder sind nunmal mit ausgesrecktem Arm oder durch einen Blick in den Spiegel entstanden. Viel Hintergrund erfährt man zu den einzelnen Kategorien nicht, einzig zu Beginn des Buches plaudern die beiden Autorinnen ein wenig über Idee und Konzept zu dem Buch.
Die Kategorienlosigkeit bringt dem Buch allerdings nicht wirklich einen Abbruch. Denn die Bilder macht etwas anderes aus. Nicht die präzise Aufnahmetechnik ist bemerkenswert, denn die Bilder sind allesamt mittels Handykamera entstanden und in den allermeisten Fällen ohne wesentliche Komposition. Nein, die Bilder werden dadurch interessant, dass man ein ungeschönten Einblick in die Welt der Menschen auf den Fotos bekommt. Sie stellen sich dar, in Posen, zu Hause, auf dem Klo, chic gemacht, ... Manchmal geben die Abgebildeten noch mehr von sich preis: das Buch ist durchzogen von Bilderreihen einzelner Personen. So erhält man Einblick in ihr Lebensumfeld und vielleicht auch ein bißchen in ihre Gedankenwelt... Ein wenig scheue ich mich es zu schreiben: aber das ist es, was Fotografie ausmacht.
Es ist zweifelslos ein voyeuristisches Buch. Aber es bildet auch einen nicht unwesentlichen Teil unserer aktuellen Kultur und dem Umgang damit ab. Und deshalb ist es interessant, es immer wieder in die Hand zu nehmen und neue Details zu entdecken... Bilder neu zu entdecken. Ein Buch zum drin Schmökern, das, wenn es auf dem Tisch liegt, von allen begeistert angefasst wird.