Social Business - das ist eine neue, bisher nicht bekannte Unternehmensform, deren Grundidee und Konzept vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus erdacht wurde. Social Business, der Begriff lässt sich schwerlich ins Deutsche übersetzen und wird daher auch in der deutschsprachigen Ausgabe dieses ursprünglich im Amerikanischen erschienenen Werkes beibehalten, das umschreibt eine Form des unternehmerischen Handels, das die soziale Wohltat an anderen zum Kernzweck des Geschäfts erhebt. Aber, wie auch die klassische Form des kapitalistischen Unternehmertums, so strebt auch das Social Business nach Erwirtschaftung von Gewinn, also Ertrag im monetären Sinne. Der Unterschied liegt alledings darin, dass das Social Business den Gewinn nicht in die Taschen der Unternehmenseigentümer bzw. Anteilseigner wirtschaftet, sondern ihn zum Nutzen einer bestimmten, sozial, wirtschaftlich, gesundheitlich oder anderweitig benachteiligten Zielgruppe investiert. Doch halt. - Im Letzteren wäre die Sache fast unkorrekt wiedergegeben. Denn der erwirtschaftete Gewinn kann auch im Social Business durchaus an die Anteilseigner ausgeschüttet werden: nämlich genau dann, wenn die angepeilte Zielgruppe von Benachteiligten eben gleichzeitig auch die Anteilseigner des Unternehmens sind.
Genau so war und ist es im Falle des Ur-Social Business, der Grameen-Bank, die von Yunus in den 1970er Jahren gegründet wurde und deren Geschäftsfeld in der Vergabe von Klein- und Kleinstkrediten an nahezu mittellose Personen in Bangladesch besteht, die damit dann einer selbständigen Mini-Selbständigkeit nachgehen können - der Initialzündung zur eigenen Befreiung aus der bitteren Armut.
Nicht zuletzt für den Aufbau dieses neuartigen Bankensystems, das Yunus in seinem Heimatland über Jahrzehnte hinweg - und anfänglich gegen diverse Widerstände und ablehnendes Unverständnis der Bankenvertreter herkömmlicher Denk- und Handlungsweisen - erfolgreich etablierte, erhielt er im Jahre 2006 den Friedensnobelpreis.
Das Konzept des Social Business reifte jedoch erst später, lange nach Gründung der Grameen-Bank. Und erst mit der international aufsehenerregenden Ehrung durch den Friedensnobelpreis erhielt Yunus in der klassisch-gewinnorientierten Geschäftswelt so interessiert Gehör, dass nun, in den wenigen Jahren seit 2006, bereits einige bedeutende Social Businesses gegründet werden konnten und mit diesen sogar schon erste bemerkenswerte Erfolge erzielt werden konnten.
Hierüber berichtet Yunus in diesem seinem neuesten Buch. Ausführlich stellt er einige der bisher ins Leben gerufenen Social Businesses vor - bemerkenswerterweise durchweg solche, die in Partnerschaft mit bedeutenden und umsatzstarken, international agierenden Großunternehmen auf die Beine gestellt wurden. Beteiligt haben sich unter anderem der Nahrungsmittelkonzern Danone, der Wasserversorger Veolia Water sowie der Chemie-Riese BASF. Die beschriebenen umgesetzten Projekte sind - gemessen an der Größe der beteiligten Konzerne - zwar klein, ja geradezu winzig, aber eben durchschlagend in ihrer Wirkung im Sinne von Social Business.
Da gelang es, aber durchaus erst nach gehörigen Anlaufschwierigkeiten hier und da, arme und unter- bzw. fehlernährte Kinder mit einem schmackhaften und auch für den kleinsten Geldbeutel erschwinglichen Joghurt, der vitamin- und nährstoffangereichert produziert wird, in einer bestimmten Region Bangladeschs ziemlich flächendeckend zu versorgen, so dass deren Gesundheitszustand sich deutlich verbesserte. In einem anderen Projekt gelang die, wiederum preislich extrem günstige, systematische Versorgung einer Dorfbevölkerung (von immerhin 20.000 Personen) mit frischem und sauberem Trinkwasser. Bis dahin waren die meisten Bewohner des Dorfes auf giftiges, weil mit Arsen verseuchtes, Wasser angewiesen. Und mit einem dritten Social Business schließlich gelang die flächendeckende Versorgung mit preislich sehr günstigen und - weil chemisch auf eine sehr innovative Art imprägniert - hochwirksamen Anti-Insekten-Netzen für die Schlafstätten der Bevölkerung einer bestimmten ausgesuchten Landregion Bangladeschs.
Diese und noch einige weitere Beispiele für bisher gegründete Social Businesses stellt Yunus in seinem neuen Buch vor. Und natürlich kommt auch die Idee und das Konzept von Social Business nicht zu kurz. Dies beschreibt Yunus, immerhin auch ehemals (vor seiner Zeit als 'Unternehmer') Professor für Wirtschaftswissenschaften, ausführlich und verständlich, und er vermittelt auch einsichtig die Unterschiede zu anderen Unternehmensformen wie auch zu Wohltätigkeitsorganisationen im klassischen Sinne.
Ein wirklich lesenswertes Buch, das gerade jetzt, in den Zeiten von weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise, Perspektiven einer veränderten Wirtschaftsordnung und Unternehmenskultur in verlockender Weise aufzeigt. Mindestens aber bereichert das Buch in überaus kompetenter und überzeugender Weise die Diskussion um die Grenzen des kapitalistischen Wirtschaftens in seiner - zurzeit überhandnehmenden - neoliberalen Ausprägung. Wieviel erfolgreicher und nachhaltiger - für die Menschen in ihrer Gesamtheit, wie aber auch für Umwelt, Pflanzen und Tiere überhaupt - könnte ein Weg mit Social Business sein, fragt der Autor. Ja, er postuliert es geradezu. Als Bedingung müsse halt nur der Gedanke von Social Business die bisherige Unternehmenskultur weltweit in ausreichendem Maße durchdringen.
Aber vielleicht - Yunus sieht es nicht so - ist der Mensch dazu in seinem innersten Wesen doch (noch) zu sehr das Raubtier von einst ...?!