"Reichtum schafft Armut" - So widersprüchlich und nach taoistischer Philosophie es auch klingen mag, dahinter steckt eine einfache und weltweit gültige Tatsache: der Mittelstand zerbröckelt, während die Zahl der Millionäre und Armutsgefährdeten immer weiter ansteigt. Doch wie Petra Ramsauer festhält, die Welt lässt sich nicht mehr so einfach in reichen Norden oder armen Süden unterteilen, denn Inseln dieses Südens existieren bereits überall, genauso wie die Inseln des Nordens. Die Folge ist ein bedrohliches Ungleichgewicht, das sich immer wieder in gewalttätigen Auseinandersetzungen zu entladen droht. Haiti sei als nur eines der von Ramsauer zum Beleg hierfür herangezogenen Beispiele genannt.
Kleine Geldgaben helfen da wenig, denn auch bei jenen die angetreten sind zu helfen und zumindest ein Stück der Welt zu retten breitet sich Resignation aus, da sich jene Probleme die uns global in den nächsten Jahrzehnten zu schaffen machen werden, nur auf internationaler Ebene beheben ließen. Alles andere ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch wo kein Bewusstsein, da kein Wille zu handeln. Dabei wird der Misstand mehr als deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Erde nicht in der Lage sein soll die gesamte Menschheit zu ernähren, wenn diese nur knapp über 1% im Jahr wächst, die Nahrungsmittelproduktion jedoch mit 2% gleich doppelt so stark. Möglich werden Hungerkrisen dabei durch eine Vielzahl an Faktoren, aber vor allem eine tolerierte globale Apartheid, in der 2,2 Milliarden Menschen mit nur 2 Dollar am Tag auskommen müssen. Kommen wie aktuell dann mehrere Einflussgrößen (Börsenspekulationen, Biotreibstoffe, Abhängigkeit von Ölpreis, Aufstieg und Ernährungsänderung von Ländern wie Brasilien, Indien und China, Exportstopps, Klimawandel, Wasserknappheit) zusammen, die der Weltmarkt jeden für sich noch verkraften würde, sind Teuerungswellen unvermeidlich. Jeder Prozentpunkt gefährdet jedoch bereits Tausende von Menschenleben. Dass wir alle im selben Boot sitzen wird auch offensichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass Hunger und Übergewicht im Grunde Symptome ein- und desselben Phänomens sind und sich jedermann jederzeit durch Unglücksfälle, Kündigung oder Krankheit am unteren Ende der Gesellschaftspyramide wiederfinden könnte.
Verständlich vermittelt Petra Ramsauer was falsch läuft auf unserer Erde und zeigt die zahlreichen Faktoren welche zu einer fortlaufenden Verschärfung des globale Hungernotstands führen. Die Konsequenzen sehen wir bereits, wenn Verteilungskrieg losbrechen, die zu Völkermorden führen, Ströme an Flüchtlingen durch die Lande ziehen und Aufstände ganze Staaten ins Chaos stürzen. Dabei verzichtet die Autorin weitgehend auf die ewige Litanei von den bösen Spekulanten, denen derzeit die alleinige Schuld an allem möglichen zugeschrieben wird und zeigt wie eine "Vielzahl von Faktoren" Einfluss auf den Weltmarkt und damit das Leben von Milliarden hat. Und sie zeigt auch den sehr interessanten neuen Gold-Rausch in den USA, wo einst vor sich vergitierende Farmer des Mittleren Westens nun dank Ethanol und Co. zu Millionären geworden sind. US-Präsident Barack Obama, als ehemaliger Senator des Agara-Bundesstaats Illinois, hat die großzügige Unterstützung der Interessensverbände dieser Bio-Treibstoff-Lobby bereits genossen. Zugleich scheffeln europäische und amerikanische Nahrungsmittelkonzerne ein gewisses Vermögen, indem Überschussware subventioniert in die Dritte Welt verkauft wird und dort das Aussterben von Kleinbauern bewirkt, denn eine totale Liberalisierung der Märkte ist in der Theorie schön und gut, in der Realität fehlen den Beteiligten jedoch schon die gleichen Voraussetzungen, womit das Konzept zu einem faulen und sehr einseitigen Deal wird.
Fazit:
Kurzum ein höchst interessantes Buch, wenn man sich für das Thema Ernährung interessiert.