»Alle lügen. Polizisten lügen. Anwälte lügen. Zeugen lügen. Opfer lügen.« Michael Haller, der Lincoln Lawyer, jener Anwalt, der seine Kanzlei vom Limousinenfond aus betreibt, weiß, wie das System funktioniert. Und doch geht er bei seinem wahrscheinlich größten Fall den Schurken auf den Leim.
Michael Haller ist wieder in Los Angeles unterwegs. Zwei Jahre sind seit seinem verhängnisvollen Einsatz ' nachzulesen in
Der Mandant: Roman (Heyne 2007) ' vergangen. Zwei schlimme Jahre, in denen er sich vom Bauchschuß erholt, seine Tablettensucht bezwungen, einen Entzug sowie eine lange Rehabilitierung bewältigt hat. Das Verhältnis zu seiner ersten Ex-Frau Maggie, einer Staatsanwältin, hat sich halbwegs normalisiert, gelegentlicher Stress inbegriffen, denn da ist ja noch die gemeinsame Tochter Haley.
Kurzum: Es ist der ideale Zeitpunkt, um wieder in den Lincoln zu steigen ' allerdings hat Haller sich seinen Neuanfang anders vorgestellt. Denn der befreundete Anwalt Jerry Vincent wurde ermordet und Haller werden dessen Fälle übertragen, darunter auch den des prominenten Filmproduzenten Walter Elliot, der in einem Anfall von Eifersucht Frau und Liebhaber erschossen haben soll. Elliot beteuert seine Unschuld ' nicht zu Unrecht, wie Haller bei ersten Recherchen herausfindet.
Der Fall ist somit klar. Zusammen mit Sekretärin Lorna, zugleich seine zweite Ex-Frau, sowie deren neuem Freund Cisco, einem Privatermittler, legt sich Haller eine Prozessstrategie zurecht. Und freut sich, denn die Publicity, die mit dem Fall einhergeht, bedeutet sein furioses Advokatencomeback.
Doch dann plötzlich ist nichts mehr wie es scheint, logisch, betreibt Haller seine Kanzlei auf Rädern doch auch in Hollywood, der Stadt der Schönen und des schönen Scheins, der pompösen Illusionen. Steckt also tatsächlich die Mafia hinter den brutalen Morden, wie Elliot behauptet? Hat Vincent einen Geschworenen geschmiert, wie das FBI herausfindet? Muss auch Haller um sein Leben fürchten, wie Detective Harry Bosch erklärt? Und überhaupt, wer ist dieser merkwürdige Polizist, der Haller kaum noch von der Seite weicht?
Am Ende gibt's natürlich Antwort auf alle Fragen ' und Haller erkennt einmal mehr: Recht hat nur der, der die Macht hat. Moral verkommt dabei zur Nebensache. Einzig die Sonne, die wie Gold über dem Pazifik hängt, ist wirklich wahrhaftig.
»So wahr uns Gott helfe« ist ein solider Thriller. Es ist zwar nicht Connellys bester, denn gerade die Auflösung des Falls kommt willkürlich daher. Aber dafür überzeugt Connelly wie gehabt mit detaillierten Recherchen, scharfen Milieuzeichnungen und einem fundierten Justizwissen, das er in die Geschichte einflechtet, ohne dass er ihr an Tempo nimmt. Furios ist allerdings das überraschende Ende, das nichts mit dem Fall zu tun hat, mit dem Connelly aber noch einigen interessanten Thrillerstoff für die Zukunft verspricht. Und das ist ausnahmsweise mal nicht gelogen.