Sebastian Leitners Buch „So lernt man Lernen“ ist ein Klassiker: Vor 30 Jahren geschrieben (1972), hat es bis heute nichts an seinem Wert für Schüler und Studierende verloren.
(Die teilweise überholten Begriffe - Schallplatte, Logarithmentafel usw.- sollten den Leser nicht irritieren, ganz im Gegenteil: Ich fand die Lektüre dieses Buches allein schon wegen Sebastian Leitners Sprache und Ausdrucksweise sehr bereichernd.)
Zum Inhalt: Frisch ans Werk - Lernplan aufstellen - Regelmäßig Lernen - Lieber kleine Abschnitte als zuviel auf einmal - Ruhe, gute Beleuchtung, aufgeräumter Schreibtisch - Konzentriert bleiben. All das sind Ratschläge, die sich in jeder gutgemeinten Lernanleitung und auch im Internet an jeder Ecke finden lassen. Doch eine Antwort bleiben diese vermeintlichen Hilfen oft schuldig: Wie man denn nun eigentlich „lernt“.
Wie kann man den Stoff behalten?
Hier setzt das Buch von Sebastian Leitner an, denn „das Kernstück, die Hauptmühe, die Schwerarbeit des Lernens ist nicht die erste Besichtigung des Lernstoffs, sondern der unermüdliche Kampf gegen die Vergesslichkeit“.
Leitner hält es zu recht für einen Irrtum, zu glauben, dass Einsicht und tieferes Verständnis den Lernprozess so sehr vereinfachen können, dass das verhasste und verpönte Auswendiglernen überflüssig wird - „Einsicht allein kann die Einprägung nicht ersetzen“. Auch nachvollziehbare Informationen muss man sich einprägen, will man sie nicht vergessen.
Leitner zeigt jedoch, dass Auswendiglernen nicht stumpfsinnigen Drill bedeuten muss. Er stellt Methoden vor, die Zeit, Mühe und Nerven schonen und auf den Erkenntnissen der Lernpsychologie aufbauen.
Kernelement bildet hierbei das von ihm entwickelte 5-Fächer-Karteikasten-System, das in den letzten 30 Jahren seit Erscheinen des Buches weltweit Verbreitung gefunden hat.
Leitner versteht es bestens, dem Leser seine Idee der „Wiederholung mit System“ schmackhaft zu machen, und wer dabei wie ich unweigerlich Lust aufs Lernen bekommt (Wann hatten Sie das zuletzt?), wird vom eigenen Erfolg überzeugt.
Das System eignet sich nicht nur hervorragend zum Erlernen einer Fremdsprache, sondern auch für jedes beliebige andere Fach und jede Wissenschaft. Denn immer gibt es eine Fülle von Definitionen, die wie Vokabeln gelernt und verinnerlicht werden müssen, oder aber der Lernstoff lässt sich „karteikartengerecht“ in Fragen und Antworten portionieren. Leitner erklärt, wie man hierzu ein Fachbuch geeignet bearbeitet.
Die beschriebene Karteikasten-Technik macht das kontinuierliche Lernen und Arbeiten natürlich nicht überflüssig, jedoch sehr viel systematischer und rationeller.
Darüberhinaus enthält das Buch eine Fülle von weiteren Tipps und Anleitungen, die das Lernen erleichtern. - Bestimmt kennen Sie das: Man nimmt sich vor „täglich eine Stunde Italienisch“ zu lernen und schafft es doch nie, sich aufzuraffen oder länger als ein paar Minuten bei der Sache zu bleiben, verplempert tagein tagaus zahllose Stunden mit sinnlosem Leerlauf. Auch hier hat Leitner eine nette, einfache Methode parat, wie man sein individuelles Lern-Zeitmaß herausfindet und die Dauer der Konzentrationsfähigkeit kontinuierlich verlängern kann.
Mein Fazit: Ich habe schon lange kein so bereicherndes und nützliches Buch mehr gelesen wie dieses. Es hat mich in meinem Studium einen gehörigen Schritt vorangebracht.
Ergänzend empfehle ich Tony Buzans Buch „Nichts vergessen“, das unter anderem erklärt, wie Sie das jahrhundertealte „Major-System“ einsetzen, um sich den Inhalt eines ganzen Buches oder den gesamten Prüfungsstoff systematisch einzuprägen. Außerdem hat mir „MASTER-Learning“ von Colin Rose und Malcom J. Nicholl mit weiteren Lern-Anleitungen ganz gut geholfen.
Haben Sie viel Erfolg!