Susanne Amrain wirft mit uns einen herrlich akribischen, einen gefühlvoller, einen entblendeten Blick bar jeder Mystifizierung auf die 20 Jahre überdauernde Beziehung der beiden Schriftstellerinnen Virginia und Vita und treibt dabei die Entschonung manchmal soweit voran, kommt mit ihrem ach wie erwachsenen und genauen, vor allem aber bewussten Blick, den Frauen die sie da biographiert scheinbar so nah, dass man zumindest für die beiden auf ein Leben nach dem Tod hoffen möchte - denn was ist nicht alles für antibiographischer, asexueller, rücksichtsvoller Schwachsinn über diese wichtigen Frauen geschrieben worden und wie sehr wird es Zeit, dass revidiert, berichtigt und verwahrfaftigt wird.
Der Briefwechsel, stets taktvoll aber kritisch hinterfragt, hier und da aufgedröselt, um biographische Details ergänzt, erklärt und eingeordnet in das weite, dennoch engmaschige emotionale Geflecht der beiden Frauen, erlaubt einen Eindruck zu gewinnen vom aristokratischen und intellektuellen England der 20er, 30er und 40er Jahre, von den Möglichkeiten weiblicher Beziehungskonstrukte und der schlichten Freude am Schreiben, am Ausdrücken des Eigenen in das Andere hinein.
Mein Dank gilt der ungeheuerlichen Fleißarbeit der Autorin, die, was der Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit in der Regel nicht einträglich ist, mancherorts in Randbemerkungen das immense persönliche Interesse am Thema nicht verhehlen kann ' und gerade damit dem Buch eine ganz eigenständige Dramaturgie gibt und zugleich zu seiner erzählerischen Spannung beträgt, die selbst Literatur schafft.