Es gibt Ohrwürmer, die verflucht man, weil man sie nicht aus dem Kopf kriegt, und solche, die liebt man, weil man sie gerne vor sich hin summt. Der von vielen Musikkennern gehasste Bernhard Brink hatte von 1999 bis 2005 einen richtig tollen Lauf, währenddem er die zuletzt genannte Sorte Ohrwürmer sang: Sechs Alben hintereinander, auf denen gut tanzbare Trivial-Schlager-Knüller sich die Staffel in die Hand gaben. Musik, die sich optimal eignet, um sich dabei mit einem Glas Rum die Birne wegzuschießen. Nicht ohne Grund fand sich in diesen Jahren auch jedesmal am Ende einer Bernhard-Brink-CD ein etwa siebenminütiger Hitmix, auf dem die Ohrwürmer des Vorgänger-Albums, mit einem fetten Disco-Beat unterlegt, nochmal zusammengefasst wurden. In den Jahren begeisterte Brink seine Fans mit Refraintexten (die sich natürlich inhaltlich immer gleichen) und Melodien, bei denen an der richtigen Stelle ein Sprung in die nächsthöhere Oktave für ein Push-up-Gefühl im Bauch des Zuhörers sorgte.
Seit 2006 und dem Album "33" vermisst man diese Stilrichtung bei Brink, so als hätte sie sich ausgereizt. Seitdem wandert er mit seinem Produzentengespann André Franke und Joachim Horn-Bernges auf Routine-Pfaden: Es findet sich nur noch leicht verdauliche, nicht tanzbare Schlager-Sauce auf den letzten Brink-Platten. Nur die zwei Lieder "Alles wahr" und das Titelstück "So oder so" knüpfen nochmal an die erfolgreiche Tanzschlager-Pop-Ära an, weshalb auch gleich ein Party-Mix von "So oder so" als Bonustrack hintendrauf gepackt wurde.
Wer den Bernhard so oder so liebt, kann und muss sich das neue Werk natürlich so oder so kaufen. Ich hingegen sehne mich zurück nach seinen Ohrwurm-Jahren und habe nur 3 Sterne im Angebot.