Dies ist das erste Album von Waggershausen seit ich Fan geworden bin. Insofern war vielleicht die Wartezeit für mich nicht allzu lang, weil ich ja noch genug damit zu tun hatte, mir nach und nach sein Lebenswerk zu kaufen. Aber ein besonderer Moment war das doch.
Und es stimmt, Waggershausen wartet nicht mit allzu großen musikalischen Überraschungen auf.
Aber das macht nichts, er besinnt sich auf seine Qualitäten. Die Zeit von schmissigen Songs wie "Es geht mir gut" sind ja eh schon lange vorbei, seit Anfang der 90er klingt seine Musik eher wie frisch vom Mississippi. Was nicht überrascht: Seit er einige Zeit in den Südstaaten verbracht hat, hat die Mentalität bleibenden Eindruck auf ihn hinterlassen, was als Höhepunkt in seinem 95er Meisterwerk "Lousiana" gipfelte.
Das nun vorliegende Album ist bei weitem nicht so puristisch, es klingt eher wie eine Popversion des Südstaaten-Feelings. Hier wird nicht mehr über Lousiana gesungen, sondern über den Bodensee. Und dennoch klingt das alles bei weitem nicht befremdlich, hier hat es Waggershausen geschafft, südamerikanisches Flair und deutschen Rockchanson zu kombinieren. Und das ist vielleicht das wirklich Neue an diesem Album.
Ansonsten ist vieles so geblieben, wie man es mag: Waggershausen mimt den melancholischen "Wolf", hart mit weichem Kern. Waggershausen holt sich gern andere Stars ins Studio. Seien es Feature-Künstler wie Annett Louisan, Nena, Sasha, Jan Josef Liefers, Henning Wieland oder zum wiederholten Male Alice. Das alles aber erfrischend unauffällig. Feature- Künstler bleiben hier Feature-Künstler. An den Instrumenten oder im Background staunt man auch über Namen wie Till Brönner, Kristian Schultze oder Maya Saban. Allemann müssen sehr viel Spaß im Studio gehabt haben, und das fällt auf. Nie waren die Instrumentale genialer. Und was hier Waggershausen aus seiner Gibson und Peter Weihe aus seinen Gitarren herausholen an Bottleneck und entspannt-knackigen Soli, das ist wirklich ganz großes Kino. Wunderbar. Dementsprechend hindert Stefan Waggershausen diesmal auch nichts daran, etliche Lieder die 7-Minuten Marke überschreiten zu lassen. Hat es auch vorher schon gegeben, aber nie so viel auf einem Album. Hier wird sich viel, viel Zeit gelassen, um die Lieder zu entfalten. Und auch das ist neu.
Textlich scheint Waggershausen ein wenig die Handbremse gezogen zu haben. Aber das macht nichts. Passend zur Musik singt er unliterarisch über die einfachen Dinge des Lebens, ohne jemals allzu banal zu werden. Einzige Ausnahme ist vielleicht das Duett mit Nena, die auf den Reim "Ich bin für dich da, das ist doch klar" scheinbar schon ein Patent hat. Dementsprechend klingt das Lied auch so, als sei es von Anfang an mit dem Hintergedanken geschrieben worden, Nena mit ins Boot zu holen. Und das muss ja nicht sein, das passt nicht so ganz. Das Gegenteil ist bei dem Feature Song "Endloser Sommer" mit Jan Josef Liefers, Sasha und Henning Wieland der Fall. Was die Jungs hier aus dem Hut zaubern, ist Sommer-Südstaaten-Feeling, absolut gut gelaunt und mit Sicherheit das besondere Highlight des Albums.
Einen Punkt Abzug gibt es dafür, dass "nur" drei von vier Liedern wirklich zünden und weil Waggershausen, der ja noch nie ein großer Sänger war, nun endgültig ins brummelnde Nuscheln verfallen ist, was ihn ja bisher auch immer irgendwie ausgemacht hat. Aber diesmal ist es doch arg übertrieben, ein wenig mehr Intonation wäre schon schön gewesen.
Das sind nur Nuancen, Kleinigkeiten. Alles in allem ein wunderschönes Album, den Kauf absolut Wert, aber die Höchstnote will ich doch nur sehr ungern inflationär vergeben.